Drei Bücher über die Folgen der Globalisierung
Blut an den Händen der Mächtigen

Ein in der freien Marktwirtschaft tätiger Ökonom hat Blut an seinen Händen, oder er macht seine Arbeit nicht richtig." Das klingt überspannt, zugegeben. Doch in der fiktiven Welt des Chris Faulkner ist solche Kompromisslosigkeit Realität. Die Globalisierung mit ihren schier unkontrollierbaren Finanztransaktionen, den sich vermeintlich jeder Kontrolle entziehenden Konzernen und zunehmend hilflos agierenden politischen Eliten verleitet die Menschen zu den verrücktesten Visionen - im Guten wie im Bösen.

HB DÜSSELDORF. Und weil beim Schmökern gut schaudern ist, tauchen wir gern ein in die auf die Spitze getriebene Welt des Neoliberalismus à la "Profit" von Richard Morgan.

Das Jahrhundert ist zur Hälfte vorbei, London hat nichts mehr mit der Stadt an der Themse gemein, die wir heute kennen. Eine kleine, privilegierte Mittel- und Oberschicht lebt wie die Made im Speck, von Sicherheitskräften bewacht, in der Innenstadt. Außerhalb dieses Wohlstandskerns herrschen Gewalt, Armut, Verfall. Von der Polizei sind diese Zonen aufgegeben worden, nur noch die Bars taugen hier zum Amusement der Reichen, die ihre Verteidigung im Ernstfall selbst übernehmen. Einer von ihnen ist Chris Faulkner, Investmentbanker bei Shorn Associates. Faulkner legt Geld in Krisengebieten an und versucht, Kriege zu steuern, um maximalen Profit zu erzielen. Mit dem Erfolg kommen die Neider. Und Faulkner muss sich für oder gegen sein Gewissen entscheiden.

Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, lässt uns der politische Philosoph Thomas Hobbes wissen. Deshalb schließen Menschen Verträge, die die Freiheit des einen dort einschränken, wo die Freiheit des anderen beginnt. In Morgans Globalisierungsthriller haben derlei Beschränkungen keine Gültigkeit mehr. Der Stärkere gewinnt. Leistung lohnt sich. Der gesellschaftlich anerkannte Weg, um an Jobs und Aufträge zu kommen, ist das Duell. Die Gegner tragen es auf den Straßen aus. Ihre Waffen: Autos.

Morgans Buch ist ein augenzwinkernd geschriebenes "Jungs-Buch" für Große. Männliches Balzgehabe paart sich darin mit männlich fahrlässig verharmloster Brutalität. Der Entwurf dieser Welt von Morgen ist so konsequent wie erschreckend. Das hat das Buch mit Max Barrys "Logoland" gemein. Wenige Großkonzerne beherrschen die Welt und kämpfen um die Vormachtstellung. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht - auch Mord. Allein die Vermarktung muss stimmen. Ein Reiz des Buches liegt darin, dass es nicht mit fiktiven Firmen arbeitet, sondern Nike, ExxonMobile, Pepsi etc. beim Namen nennt - freilich nicht ohne voranzuschicken, dass der Plot erfunden sei.

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