Dresdner Kunstforum
Promoter der Moderne

Die Dresdner Kunsthalle präsentiert mit einer Schau über den Kunsthistoriker Will Grohmann eine typische Kunstkarriere des 20. Jahrhunderts: Eine Vita mit vielen Glanzpunkten - aber nicht immer geradlinig.
  • 0

DresdenEr war der wichtigste Promoter der neuen Kunst nach 1945. Der in Dresden aufgewachsene Lehrer, Kritiker und Kunstvermittler Will Grohmann (1887-1968) war über die Grenzen Deutschlands hinaus als Guru der Abstraktion geachtet, die er als universale Kunstrichtung der Zeit propagierte. 1946 ist er Mitorganisator der ersten und größten Nachkriegsausstellung deutscher Kunst mit 594 Werken in Dresden. Ab 1948 lehrt er an der West-Berliner Hochschule für Bildende Künste, er wird Mitgestalter der Kasseler „documenta“, ist Jurymitglied zahlreicher Kunstpreise, pflegt engen Kontakt mit internationalen Galerien und prägt in seinem letzten Lebensjahr die Konzeption der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

Das sind die Glanzpunkte einer Vita, die jedoch nicht immer so geradlinig war. Die Dresdner Ausstellung „Im Netzwerk der Moderne“ zeigt noch andere Facetten dieses Doyen der Moderne, der als Publizist ein unerhört breites Spektrum hatte. Zunächst den Expressionisten der Dresdner „Brücke“, dann der Bauhaus-Kunst zugetan, nach dem Krieg ein Propagandist von Baumeister, Nay, Moore und in seinen letzten Lebensjahren in einer erstaunlichen Geschmackserweiterung Förderer von Georg Baselitz, Gerhard Richter und Sigmar Polke.

Diese Leitlinien und noch einige mehr lassen sich anhand von über 200 Werken von Künstlern nachvollziehen, für die sich Grohmann einsetzte und von denen er einen erheblichen Teil an Museen und Sammler vermittelte. Es sind freilich nicht immer die besten Werke, die in dieser auf zwei Stockwerken ausgebreiteten Ausstellung Revue passieren. Meisterwerke der Moderne wie Kirchners „Sich kämmender Akt“, Paul Klees „Sonnenuntergang“ oder Ernst Wilhelm Nays monumentales „Freiburger Bild“ hängen hier neben Belanglosigkeiten.

Von Oskar Schlemmer gibt es neben einem Aquarell und einer Radierung nur eine kleine Ölstudie. Emil Nolde ist lediglich mit einem Tanzaquarell vertreten. Manche der hier gezeigten Exponate sind Zeugen eines vergänglichen Zeitgeschmacks, dem der „Kunstpapst“ schon allein zur Stütze seines breit angelegten marktstrategischen Netzwerks huldigte.

Seite 1:

Promoter der Moderne

Seite 2:

„Leib-Seele-Vollkommenheit“

Kommentare zu " Dresdner Kunstforum: Promoter der Moderne"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%