Dritter Tag der Nachlassauktion Rockefeller-Souvenirjäger sorgen für 12,4 Millionen Dollar Umsatz

Die Auktionen des Rockefeller-Nachlass in New York enttäuschen auch am dritten Tag nicht. Insbesondere die Einrichtungsgegenstände finden bei Christie’s reißenden Absatz.
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Der Rockefeller-Nachlass wird über mehrere Tage versteigert. Quelle: AP
Auktion in New York

Der Rockefeller-Nachlass wird über mehrere Tage versteigert.

(Foto: AP)

New York, Düsseldorf„Everybody wants a piece of the rock“ – Mit diesem Wortspiel beschreibt der Kunsthändler Nicholas Sands Christie‘s Rekord-Auktion, die am Ende des zweiten Tages schon 765,3 Millionen Dollar eingespielt hatte. Die Rockefellers sind wie ein Fels in der US-Geschichte. Und der Nachlass David Rockefellers, einst ältester Milliardär der Welt, findet weiter reißenden Absatz. Am dritten Auktionstag unter anderem versteigert: das Familienporzellan.

Nach den Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts am Dienstag kamen am Mittwoch u.a. die 67 kostbaren Porzellan-Service zum Aufruf. Und so fiel der Hammer für ein mit Blumen und Insekten handbemaltes Dessertservice der Porzellanmanufaktur Sèvres erst bei 1,5 Millionen Dollar, dem zehnfachen der unteren Taxe. Mit Aufgeld kostet das den asiatischen Käufer 1,8 Millionen Dollar. Doch dafür nennt er jetzt ein formschönes, rot-golden gerahmte Service sein eigen, von dem bereits Kaiser Napoleon I. Desserts gelöffelt hatte.

Doch nicht alles wird so astronomisch teuer. Für 75.000 Dollar hat der in New York ansässige französische Investment-Manager Jean-Marie Eveillard sich ein Tee-Service aus der Zeit des Empire gesichert, das in Sèvres für den Prinzen Camille Borghese hergestellt wurde. Ihm gefielen nicht nur die handgemalten Schmetterlinge, sondern auch die Tatsache dass Camille Borghese der Ehemann der umtriebigen Schwester von Napoleon, Pauline Bonaparte, war. Schließlich heißt seine eigene Tochter auch Pauline. Auch Eveillard glaubt, dass der wohltätige Zweck den Preisen hilft. „Wir fühlen uns alle gut dabei, hier zu kaufen“, sagt er dem Handelsblatt.

Die Rockefellers teilten generationsübergreifend eine tiefe Liebe zum Porzellan. Darum musste kein Gast bei David und Peggy je zweimal vom gleichen Teller essen. Denn schon Davids Mutter, die Mitgründerin des Museum of Modern Art in New York, Abby Aldrich Rockefeller, hatte eine Passion für japanisches Porzellan. Damit sie ihre Einkaufstouren während der Sommerfrische in Maine nicht unterbrechen musste, eröffnete der führende New Yorker Händler für japanisches Porzellan flugs ein Pop-up-store in Maine. So entgingen ihm keinen Einnahmen durch die urlaubende Abby und ihre nicht minder porzellanverrückte Schwester Lucie.

Auch Davids Vater liebt die Kunst aus Porzellan. 1915 hatte John Junior, die Möglichkeit ein chinesisches Porzellan Service aus der Sammlung von J.P. Morgan zu kaufen. Den Kaufpreis von einer Million Dollar konnte er selbst nicht aufbringen. Er bat seinen Vater, den Patriarchen John D., um eine Anleihe. Die aber wurde schroff zurückgewiesen. In einem zweiten Brief beschreibt der Sammler-Sohn, dass er nie Geld mit Pferden, Yachten und Automobilen verschwendet habe, das Porzellan aber seine Passion sei, bei der er Erholung und Ablenkung finde. „Diese Liebhaberei mag kostspielig sein, doch sie ist nicht ostentativ und macht kein Aufsehen.“ Mit diesem Argument, dass man kostbares Porzellan öffentlich nicht wahrnehme, war der sparsam fromme John D. Rockefeller überzeugt und schenkte Junior die Kaufsumme.

Schon als Student brachte David seinen Eltern Skulpturen aus Porzellan von seinen Reisen mit. Als er 1933 in München Deutsch lernte, kaufte er für seine Eltern Porzellanfiguren aus den Manufakturen Höchst und Meissen.
Zurück nach Manhattan vor das Rockefeller Center, wo Christie’s seit rund 20 Jahren seine Amerika-Zentrale unterhält. Nicht alle Teilnehmer der Auktion sind zufrieden. „Die Preise sind verrückt und das liegt nur an dem Namen“ findet hingegen Roberto Freitas, ein brasilianischer Kunsthändler, als er sich eine Pause gönnt vor dem Auktionssaal. „Ich wollte für einen Kunden bieten. Aber bei den Preisen bin ich gar nicht dazu gekommen, meine Hand zu heben“.

Tafeln wie die Rockefeller, das wollten viele. Der hoch gewachsene Mann im grauen Anzug hatte auf den vierfüßigen Regency-Esstisch der Rockefellers gesetzt, an dem Peggy und David ihre legendären Dinner Partys mit Gästen aus Politik, Kultur und Wirtschaft in Szene setzten. Bei einer oberen Taxe von 50 000 Dollar lag Freitas‘ Limit bei 250.000 Dollar. Doch das geschichtsträchtige Mahagoni-Möbel ging für 380 000 Dollar (brutto: 468 500 Dollar) an eine Dame im hinteren Teil des Saals. Die verschwiegene Frau im legeren Blazer hat den gesamten Katalog mit farbigen Post-Ist gespickt. Nur mit angedeuteten Kopfnicken gibt sie der Auktionatorin am Pult zu verstehen, dass sie höher geht. Mal um Tausend Dollar, mal um 5 000 und mal um 10 000. Auch einen rosa Ohrensessel für 17.000, einen Beistelltisch für 20.000 und ein Napoleon-Bild für 18 000 sichert sie sich in der Mittwochsauktion.

Auch die Sammlerin asiatischer Kunst, Dora Wong, findet die Preise übertrieben. Sie ist an diesem Mittwochvormittag für einen befreundeten Geschäftsmann von der Upper East Side zum Rockefeller Center gekommen. Der wollte sich ein paar Rockefeller-Stücke in die Wohnung stellen. „Aber die Möbel gehen hier für das Zehnfache des Mindestpreises weg. Das ist zu hoch“, findet die elegante ältere Asiatin im rosafarbenen Chanel-Kostüm, die die Urenkel der Rockefellers persönlich kennt.

Insgesamt spielte die Kunstgewerbe-Auktion am Mittwoch 12,4 Millionen Dollar ein. Alle Bieter bewilligen den Rockefeller-Bonus. Zu schön ist es doch, seinen Gästen oder Kunden zu erzählen, wer die Vorbesitzer waren. Das tröstet so manchen dann auch über die hochgesteigerten Preise hinweg. Es ist ja für einen guten Zweck.

David Rockefeller, der jüngste Enkel des legendären Standard Oil-Gründers und gewieften Geschäftsmanns John D. Rockefeller, war 2017 im Alter von 101 Jahren gestorben. Schon lange vor seinem Tod hatte der ehemalige Chase Manhattan-Banker das Auktionshaus Christie’s beauftragt, nicht nur seine Kunstsammlung zu versteigern, sondern auch das Inventar sämtlicher Stadt- und Landhäuser. Denn seine Kinder erben seine Anteile an den Trusts. Und so fließt der Gesamterlös einem Dutzend Organisationen für Kunst, Naturschutz und Forschung zu, denn seine Ehefrau Peggy und er Zeit Lebens eng verbunden waren.

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