Duden um 5000 Wörter reicher Sprachpanscher oder Spiegel der Zeit?

Für viele ist der Duden eine Instanz in Rechtschreibfragen. Jetzt hat die Redaktion das Stichwörter-Verzeichnis wieder einmal erweitert. Das Ziel: Weg vom verstaubten Image und Spaß an der Sprache vermitteln.
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„Fake-News: Hygge, icke Wutbürger!“
Durchgefallen
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Nicht jeder Begriff hält sich im Duden: Weggefallen ist eine geringe Zahl eingedeutschter Schreibweisen, die sich nicht durchgesetzt haben. Statt Majonäse ist jetzt zum Beispiel nur noch Mayonnaise zulässig.

Unwort 2014
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Der 2014 zum „Unwort des Jahres 2014“ gewählte Begriff „Lügenpresse“ hat es nun in den neuen Duden geschafft. Für Neuauflagen filtern Computerlinguisten neue Worte seit der vorigen Ausgabe heraus. Übrig bleiben ellenlange Listen, aus denen Redakteure Aufnahmekandidaten auswählen.

Thema im Karneval
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Ähnlich wie im deutschen „Lügenpresse“ wurde „Fake News“ auch zu einem politischen Schlagwort bzw. Kampfbegriff. Vor allem durch den US-Präsidenten Donald Trump gewann das Wort an Bekanntheit. Der Begriff steht für Falschmeldungen mit manipulativer Absicht.

Das dänische Glücksgefühl
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Aber auch aus dem Norden schwappen Wörter in unsern Alltag: Hygge! So heißt der dänische Brauch, das Leben zu genießen. Das Wort wird nun auch bei uns verwendet. Manche Nutzer glauben jedoch, dass es ein Wort nicht gibt, wenn es nicht im Duden steht. Entsprechend viele Neuaufnahmen sind zusammengesetzte Substantive, wie Flüchtlingskrise und Mütterrente.

27. Dudenausgabe
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Alle drei bis fünf Jahre wird das Nachschlagewerk aktualisiert. Nun hat die Duden-Redaktion die neue Auflage um 5000 Wörter ergänzt. Unter den Erweiterungen sind auch Berliner Klassiker wie das Personalpronomen ick/icke (ich) und Späti (kurz für Spätkauf).

Wort 2016
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Deutlich schlug sich die politische Debatte der vergangenen Jahre mit Neuaufnahmen wie postfaktisch nieder. Der Begriff war 2016 das „Wort des Jahres“, das alljährlich von der Gesellschaft für deutsche Sprache bestimmt wird.

Pegida-Demonstration in Dresden
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Für die Aufnahme sind mehrere Kriterien entscheidend: Wörter müssen vor allem häufig und in unterschiedlichen Textsorten vorkommen. Wie beispielsweise Wutbürger.

Berlin„Noch weiter verbreitet als Hasskriminalität: kriminelle Schreibweise.“ „Überhaupt nicht sexy: wenn Sie tindern falsch schreiben.“ Mit einer Reihe von Werbesprüchen wie diesen weist der Duden in der nächsten Zeit auf seine um 5000 Stichwörter erweiterte Neuauflage hin. Die erscheint an diesem Mittwoch. Der Tonfall der Kampagne gibt den Kurs vor: Der Duden will weg vom Image des angestaubten Nachschlagewerks und auch Spaß an Sprache vermitteln.

„Wir möchten zeigen, was man mit Sprache alles machen kann - eben nicht nur relativ dröge Wörterbücher“, sagt Redaktionsleiterin Kathrin Kunkel-Razum der Deutschen Presse-Agentur. Alle drei bis fünf Jahre wird das Nachschlagewerk aktualisiert.

„Nach dieser Zeit gibt es genug Entwicklungen im Wortschatz, die man gerne abbilden möchte“, sagt Kunkel-Razum. Hinzu kommen diesmal einige wenige Rechtschreib-Änderungen, wie die kürzlich vom Rat für Rechtschreibung beschlossene Einführung eines großen Eszetts.


Diesmal reicht das Spektrum der neuen Wörter von Selfie bis facebooken und von postfaktisch bis Fake News. Internetblog ist ebenso dabei wie die Eigennamen der Apps Instagram und Snapchat. Andere Wörter waren, teils erstaunlicherweise, bisher nicht verzeichnet: Kopfkino zum Beispiel. Auch für die Aufnahme aller Bundeskanzler hat sich die Redaktion nun erst entschieden. „Merkel, Angela“:

Auch das ist damit ein Stichwort von insgesamt 145 000 der 27. Auflage - mehr als fünfmal so viele wie im Urduden von 1880. Noch schaffen es die Buchbinder, das in einem Band unterzubringen. Bei Duden weiß man, dass neu aufgenommene Wörter stets als Gesprächs-, ja Debattenthema taugen.

Zwar habe ein rund 15-köpfiges Kernteam die neue Ausgabe erarbeitet, sagt Kunkel-Razum. „Im Prinzip reden aber 80 Millionen Menschen mit.“ Die Neuauflage dürfte auch einen Werbeeffekt für die anderen Produkte mit dem Schriftzug „Duden“ auf dem Titel haben, von Sprachratgebern bis Lernmaterialien.

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