Düsseldorf Photo Weekend: „Die Zukunft liegt in der freien Kunst“

Düsseldorf Photo Weekend
„Die Zukunft liegt in der freien Kunst“

In der Welt der Fotokunst ist die „Düsseldorfer Schule“ eine starke Marke. Nicht zu Unrecht begreift sich Düsseldorf daher als Kapitale dieser immer noch relativ jungen Kunst. Das NRW-Forum wirft nun einen Blick auf aktuelle Arbeiten. Düsseldorfer Galerien ergänzen das breit angelegte Panorama.
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DüsseldorfNicht gerade tief stapelt das NRW-Forum Kultur und Wirtschaft mit dem Ausstellungstitel: „State of the Art Photography.“ Denn der Begriff verspricht seiner Herkunft nach nichts Geringeres als den höchsten Entwicklungsstand einer Technologie und ist zugleich im übertragenen Sinne auch zu einer Formel für künstlerische Avantgarde geworden.

Die Ausstellung hat sich zur Aufgabe gemacht, dem doppelten Wortsinn gerecht werden. Dieser ambitionierte Anspruch wird mit der Präsentation einer fast schon verwirrenden Vielfalt von formalen und inhaltlichen Strömungen tatsächlich eingelöst. Allerdings auf Kosten klassisch verstandenen Ausstellungsmachens. Anders gesagt: Das Konzept der Ausstellung ist seine Offenheit. Ihre Stärke entwickelt sie gerade durch das Fehlen einer Schwerpunktsetzung.

Behauptung einer Zeitenwende

„In der Fotografie ist ein Paradigmenwechsel im Gange“, behauptet Ausstellungsmacher Werner Lippert, der sechs namhafte Kuratoren – darunter Klaus Biesenbach vom New Yorker MoMa und den Generaldirektor der Berliner Museen Udo Kittelmann, aber auch den Fotografen Andreas Gursky – eingeladen hat, die Künstler vorzustellen, die für die Fotografie der kommenden Jahre maßgeblich sein sollen.

Getreu dem von Andreas Gursky ausgerufenen Postulat „Die Zukunft liegt nicht in der reinen Fotografie, sondern in der freien Kunst“ belegen die rund 250 gezeigten Arbeiten von 41 Künstlern mehrheitlich eine konsequente Abkehr von der reinen Dokumentation und eine Neigung, mit fotografischem Material – analog und digital – Werke zu erschaffen, die mit dem Begriff Fotografie nur noch unzulänglich gekennzeichnet sind. Manche Künstler greifen auf die surrealistischen und dadaistischen Collagetechniken des frühen 20. Jahrhunderts zurück, andere besinnen sich auf klassische Themen der Malerei wie Landschaft, Porträt oder Stillleben und scheuen auch die lange gemiedenen Dimensionen des Erhabenen nicht.

Rekurs auf die Malerei

An Caspar David Friedrich fühlt man sich gleich mehrfach erinnert: Bei Andreas Mühes Serie von überwältigenden winterlichen Berglandschaften etwa, in deren Weite sich stets eine einsame männliche Figur in Rückansicht verliert. Der Titel „Pissing Nazis am Obersalzberg“ lässt die romantische Überwältigung rasch schwinden. Alex Grein bezieht sich noch direkter auf Friedrich, indem sie dessen Gemälde-Ikone „Gescheiterte Hoffnung“ aus tausenden Schnipseln von Google-Earth-Aufnahmen zusammensetzt und damit eine malerische Wirkung erzielt.

Polaroid-Schnappschüsse von Partygängern der Subkultur fächert Jemery Kost zu kunterbunten Kompositionen hinter Glasrahmen auf. Daniel Gordon dagegen schneidet Schnipsel aus Illustrierten aus und klebt sie recht schütter zu Papierskulpturen zusammen, die er dann abfotografiert. Das Ergebnis sind Porträts, die an Picassos kubistische Frauenbildnisse erinnern.

Klassische Fotoporträts von besonderer Sensibilität zeigt Pepa Hristova: Sie hat Frauen aus der archaischen Gesellschaft Albaniens fotografiert, die bewusst ein Leben als Mann gewählt haben und sich dem anderen Geschlecht äußerlich und im Habitus verblüffend annähern. Geschlechtsumwandlung durch Rollentausch.

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