Düsseldorfer-Messe-Chef Werner Dornscheidt
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Auch im Zeitalter von E-Mail und SMS schreibt der Chef der Düsseldorfer Messe, Werner Dornscheidt, seine Geschäftsbriefe noch mit einem Füllfederhalter. Sein Bekenntnis zur Handschrift ist ein Statement gegen die Stumpfsinnigkeit der elektronischen Kommunikation.

Da sitzt er seelenruhig, der Vorsitzende der Geschäftsführung der zweitgrößten Messegesellschaft in Deutschland, und lässt eine gepflegte Philippika gegen die gebräuchlichen Kommunikationstechniken vom Stapel. Werner Dornscheidt schreibt gerne. Mit der Hand und mit Hingabe. Und verachtet die, die nur noch mailen oder simsen. Oder deren Welt die E-Mails sind: „Die sehen alle gleich aus, sind unheimlich schnell getippt und noch schneller verschickt – oft gedankenlos. Kann fatal sein.“

Gut, so weit hat man das ja von dem einen oder anderen Kommunikationstheoretiker schon mal gehört, die Professorin Miriam Meckel füllte mit solchen Bekenntnissen einen ordentlichen Raum zwischen zwei Buchdeckeln. Aber wie lässt sich diese „Back to the roots“-Welle im Alltag eines Top-Entscheiders denn umsetzen? Wir wollten es genauer wissen von einem, der durchaus stolz ist auf sein „Handwerk“.

Werner Dornscheidt spitzt die Lippen und pustet sanft gegen die winzige Windmühle am Ende eines Bleistifts, die sich mit leichtem Schnurren in Bewegung setzt. Genüsslich schraubt er einen Füllfederhalter auf, als wenn er eine gute Flasche Wein entkorken würde. Die Frage freut ihn sichtlich.

Sein Bekenntnis zur Handschrift ist ein Statement gegen die Stumpfsinnigkeit elektronischer Kommunikation. Die hingeworfene SMS, die schnell geschriebene E-Mail kann für ihn nicht den zwischenmenschlichen Kontakt ersetzen. Das ist der Kern, sollte er jedenfalls für jede Führungskraft sein. „Ich bin ein begeisterter Telefonierer“, sagt Dornscheidt. Und: „Wenn ich von jemandem was will, dann fahre ich zu dem hin. Und wenn jemand was von mir will, dann soll der kommen.“

Das kann in seinem Fall teuer werden, denn die Düsseldorfer Messe hat weltweit immerhin 69 Auslandsvertretungen, die 110 Länder bearbeiten. Doch die Reisespesen sind für den Messechef gut angelegt, weil sie zu einem Gespräch führen und dieses noch immer jeder anderen Art von Austausch vorzuziehen sei. Und das beherzigt er auch in der Zentrale: „Ich gehe viel durchs Haus.“

Die Sammlung von Schreibgeräten in seinem Büro oder die Liebe zum Handgeschriebenen, was war zuerst da? Folgte das eine aus dem anderen? Erstaunlicherweise nicht. „Die Sammlung entstand rein zufällig, ich habe vor Jahren mal meine Auslandsvertreter gebeten, mir bunte Stifte aus aller Welt mitzubringen – für einen kranken Jungen, der die sammelt.“ Der hat dann Dornscheidt quasi angesteckt. Seitdem füllt sich die Kiste mit den Buntstiften aus aller Welt ständig neu.

Nein, Dornscheidt geht es um eine grundsätzliche Aussage: die persönliche Post fällt heutzutage ins Auge, wird einfach mehr be- und geachtet. Und hat nach Dornscheidts Beobachtung „oft erzieherische Wirkung, auch wenn die Antwort dann maschinell ist“, wie die auf das Einladungsschreiben an US-Gouverneur Arnold Schwarzenegger, den Dornscheidt handschriftlich zur Düsseldorfer Fachmesse „Medica“ eingeladen hatte. Diesmal konnte er nicht kommen, aber vielleicht hat den kalifornischen Weltstar die Geste beeindruckt, und er wird sich irgendwann der Düsseldorfer Messe erinnern.

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