Dylan schweigt zum Nobelpreis

„Warum soll ich mich jetzt ändern?“

Bob Dylan lässt sich nichts anmerken – der neue Literaturnobelpreisträger ist bei seinem ersten Konzert nach der Juryentscheidung cool wie eh und je und lässt lieber Lieder sprechen.

Wahre Überraschung: Literaturnobelpreis für Bob Dylan

Wahre Überraschung: Literaturnobelpreis für Bob Dylan

Las VegasWar was? Bei seinem ersten Auftritt nach dem Gewinn des Literaturnobelpreises gibt sich Bob Dylan cool wie immer. Kein Wort sagt der 75-jährige Sänger und Songwriter in Las Vegas, wo er am Donnerstagabend in der Konzerthalle eines Casinos spielt, zu der Auszeichnung, über die die Literatur- und Musikszene heftig diskutiert. Sollte der Gewinn der höchsten literarischen Anerkennung, die die Welt zu vergeben hat, irgendwelche Gefühle bei ihm hervorrufen, so lässt er sie sich jedenfalls nicht anmerken.

Stattdessen spult die Rock-Legende – dafür bekannt, bei schlechter Laune dem Publikum den Rücken zuzukehren – mit der fünfköpfigen Band in der Spielmetropole im US-Bundesstaat Nevada das gewohnte Programm runter. In einem perlgrauen Anzug, die Haare von den Scheinwerfern zu einem struppigen Heiligenschein erleuchtet, spielt Dylan an Klavier, Gitarre und Mundharmonika sowie mit seiner krächzenden Stimme eine Auswahl der Werke seiner mehr als 50-jährigen Karriere – „Rainy Day Women #12 & 35“ und „Tangled Up in Blue“ ebenso wie neuere Songs, etwa „Make You Feel My Love“.

Das sind die Nobelpreisträger 2016
Literaturnobelpreis: Bob Dylan
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Rund 20 Jahre lang wurde Bob Dylan mit schöner Regelmäßigkeit für den Nobelpreis vorgeschlagen, doch stets ging er am Ende leer aus. Zu gewagt erschien es der Jury, einem Musiker – und sei es auch der berühmteste Songschreiber überhaupt – die höchste Literaturauszeichnung der Welt zuzuerkennen. Wenige Monate nach Dylans 75. Geburtstag hat sie sich getraut, nun hat er wirklich alles erreicht. Für die Verleihung des Preises hat Dylan allerdings abgesagt. Wann und wie der US-Rockpoet seinen Nobelpreis erhält, ist unklar.

Bob Dylan
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Der in Duluth im US-Bundesstaat Minnesota als Robert Allen Zimmerman geborene Musiker  benannte sich vermutlich nach einem literarischen Idol um, dem walisischen Dichter Dylan Thomas. Sein musikalischer Erfolg stellte sich mit dem Song „Blowin' In The Wind“ (1963) ein. Später mutierte er zum Rockmusiker mit elektrischer Gitarre, komponierte und textete Mitte, Ende der 60er Jahre Album- und Songklassiker in Serie. Seine mit Metaphern, Symbolen und Anspielungen durchsetzten Texte sind bis heute von beispielloser Qualität.

Nobelpreis für Wirtschaft
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Oliver Hart und Bengt Holmström für ihre Beiträge zur Kontrakttheorie.

Bengt Holmström
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Bengt Robert Holmström ist Wirtschaftsprofessor an der renommierten US-Eliteuniversität MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Cambridge bei Boston. Der 67-jährige Finne war schon als hochdekorierter Vertreter seines Berufsstandes bekannt, bevor er für seine Arbeit zur Vertragstheorie den Wirtschaftsnobelpreis 2016 gewann. Holmströms Arbeit wurde vielfach ausgezeichnet, er hält mehrere Ehrendoktor-Titel, unter anderem von der Stockholm School of Economics.

Bengt Holmström
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Als Dozent und Professor prägte der am 18. April 1949 geborene Holmström gleich mehrere Top-Adressen der US-Wirtschaftslehre. 1978 machte der auf Mikro-Theorie spezialisierte Ökonom seinen Doktor der Wirtschaftswissenschaften an der Stanford Universität in Kalifornien. Von 1979 bis 1982 lehrte er an der Kellogg Grad School of Management, von 1983 bis 1994 an der Elite-Universität Yale. Von 1999 bis 2012 war er Aufsichtsrat des finnischen Telekom-Konzerns Nokia. Mit seiner Frau Anneli hat er ein Kind: Sohn Sam wurde 1974 geboren.

Oliver Hart
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Oliver Hart ist seit 1993 Wirtschaftsprofessor an der Harvard-Universität in Cambridge bei Boston, die als eine der besten Adressen weltweit gilt. Der 68-jährige US-Ökonom mit britischen Wurzeln ist Experte für Unternehmenslehre mit Schwerpunkten wie Vertragstheorie, Rechtsfragen und Privatisierung. Außerdem soll er ein passionierter Tischtennis-Spieler sein.

Oliver Hart
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Hart studierte Mathematik und Ökonomie in England (Cambridge und Warwick), bevor er 1972 an der US-Eliteuni Princeton seinen Doktor machte. Nachdem er für einige Jahre als Professor an der London School of Economics lehrte, kehrte der Wirtschaftsforscher 1984 in die USA zurück, wo er zunächst am renommierten MIT unterrichtete. Hart, der 1995 selbst ein Lehrwerk zur Vertragstheorie veröffentlichte, ist mit einer US-Schriftstellerin verheiratet und hat zwei Söhne.

Die Ovationen des Publikums, die Rufe „Nobel laureate“ (Nobelpreisträger) - Dylan ignoriert sie. Erst als er zu den Zugaben kommt, ändert sich der Ton: Dylan weicht vom Programm ab, das er schon bei seinem vorherigen Konzert gespielt hat. Nun gibt es unter dem begeisterten Jubel der 2000 Besucher die berühmte Protesthymne „Blowin' in the Wind“ aus dem Jahr 1962.

In Dylan war erstmals ein Songwriter mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden – eine Sensation. Er schweigt dazu. Lediglich auf seinem Twitter-Kanal wird am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) unter Berufung auf die Schwedische Akademie verkündet: „Bob Dylan wurde der #Literaturnobelpreis 2016 „für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition“ verliehen.“ Etwas später teilt der Künstler - oder ein Mitarbeiter – einen Glückwunsch-Tweet von US-Präsident Barack Obama „an einen meiner Lieblingsdichter“.

So musikalisch ist der Literaturnobelpreisträger
Bob Dylan
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Als Kind einer ukrainisch-jüdischen Einwandererfamilie war Bob Dylan, der eigentlich Robert Allen Zimmerman heißt, schon früh an Rock'n'Roll und Literatur interessiert. Trotz des anfänglichen Unmuts seiner Eltern startete er eine Karriere als Folk-Musiker und schrieb mit „Blowin' in the Wind“ die pazifistische Hyme einer ganzen Generation. Heute wurde Dylan mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Neuorientierung zum Rock
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Sein späterer Griff zur E-Gitarre und seine damit verbundene Neuorientierung zum Rock, quittierten manche Fans mit „Judas“-Rufen auf seinen Konzerten. Nach seiner Bekehrung zum Christentum nahm er nur noch Gospelsongs auf. Gegen Schubladen-Denken hat Bob Dylan sich immer gewehrt, er wollte seinen eigenen Weg gehen, „Like A Rolling Stone“.

Dylanologen-Kongress
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Seine Rätselhaftigkeit ist sicherlich einer der Gründe dafür, warum Dylan bereits zu Lebzeiten ein bevorzugtes Studienobjekt für Musik- und Sprachwissenschaftler, Soziologen und Historiker ist. Jedes Jahr wird er auf einem internationalen Dylanologen-Kongress unter die Lupe genommen. Einig sind sich die Experten nur darin, dass Dylan der bekannteste unbekannte Star der westlichen Welt ist.

„Knockin' on Heaven's Door“
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Ein Grund dafür ist sicherlich, dass viele seiner Songs erst durch die Aufnahmen anderer Musiker populär geworden sind, was auch an seiner wenig massenkompatiblen Stimme liegen mag. So kennen die meisten beispielsweise „Mr. Tambourine Man“ in der Fassung von den Byrds, „Father of the Night“ in der Interpretation von Manfred Mann oder „Knockin' on Heaven's Door“ als Welthit von Guns 'N' Roses.

Mehr als 500 Lieder
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In seiner fast 55-jährigen Karriere hat er mehr als 500 Lieder geschrieben, viele sind längst Klassiker der Popkultur. Zu seinen stärksten Texten gehören „Masters Of War“, „Desolation Row“ und „Hurricane“. Das Fachmagazin „Rolling Stone“ erklärte sein Lied „Like A Rolling Stone“ 2004 zum besten Song aller Zeiten. Für das Lied „Things Have Changed“ in Curtis Hansons Tragikomödie „Wonder Boys“ erhielt er 2001 einen Oscar.

Protestsänger
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Mit seinen ersten Konzerten in China und dem angeblichen Akzeptieren von Zensureingriffen wurde der als Protestsänger bekanntgewordene Dylan (hier bei einem Konzert in Ho Chi Minh Stadt / Vietnam) zuletzt von manchen Medien stark angegriffen.

Niedecken ist Fan
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Einer der prominentesten deutschen Fans von Bob Dylan ist Wolfgang Niedecken von der Kölner Rockgruppe BAP.

Dylan hat schon viele Preise erhalten – oft ist er nicht zur Verleihung erschienen. Ob sich die Schwedische Akademie Sorgen macht, er könne sich die Reise im Dezember nach Stockholm sparen? Vielleicht kann Dylans letztes Stück beim Konzert in Las Vegas als Botschaft verstanden werden – warum soll ich versuchen, mich jetzt zu ändern, fragt er mit einem Lied, das Frank Sinatra einst sang: „Why Try To Change Me Now?“

  • dpa
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