Eberhard Havekost
Furiose, virtuose Malerei

Eberhard Havekost hat Hochkonjunktur. Bekannte Sammler begeistern sich für seine Malerei, wichtige Museen machen Ausstellungen, momentan etwa parallel in Dresden und Berlin. An der Elbe, wo er studierte, zeigt er jetzt einen radikalen Stilwechsel, weg vom "Dresden-Pop" hin zur reinen, abstrakten Malerei.
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BERLIN/DRESDEN. "Ausstellung" nennt der Maler Eberhard Havekost lapidar seinen Großauftritt im Dresdener Lipsiusbau. Dass der Starkünstler mit Bodenhaftung hier seine bisherige Malweise extrem radikalisiert, in abstrakte Regionen vorstößt und das Label "Dresden-Pop", das ihn berühmt machte, abschüttelt, wird im Titel also überhaupt nicht verraten. Die parallel laufende Ausstellung in Berlin, die frühe und neue Bilder in Heiner Bastians Showroom zeigt, hat Havekost hingegen als "Affirmation" betitelt.

Vorlagen aus den Medien

Das Pop-Label erwarb sich der 43-jährige Dresdner, der heute in Berlin lebt, weil er wie die US-Vorläufer Fotovorlagen aus Zeitschriften und Fernsehen oder eigene Aufnahmen benutzte. Doch Havekost fokussiert weniger Konsumgüter oder gesellschaftspolitische Ereignisse, als banalste Alltagsdinge wie öde Hausfassaden, Autoteile, Flachbildschirme, Igluzelte, Wohnwagen, Sofas. Seine persönliche Handschrift gab er diesen Fotofundstücken dadurch, dass er sie in ungewöhnlichen An- und Ausschnitten und in eigenwilliger Perspektive, herausgelöst aus jedem Kontext präsentierte. Außerdem hat er diese Vorlagen digital bearbeitet, die Tonalitäten verändert, Flächen eingeebnet, Hintergründe ins Unwirkliche vernebelt. Aus der reproduzierten Realität, manipuliert, gefiltert, verfremdet und vom Künstler nochmals im virtuosen Malakt verändert, entstanden Bilder einer Metarealität von kalter Sachlichkeit, die immer etwas rätselhaft blieben. Havekost ist getrieben vom Misstrauen gegenüber jedweder Realerfahrung. Er malt, als wolle er den Satz von Werner Heisenberg "Die Wirklichkeit, von der wir sprechen, ist nie die Wirklichkeit an sich" in eine bildhafte Sprache bringen.

Realität und Täuschung

Dieses Prinzip, die Wiedergabe von Realität als Täuschung zu entlarven, hat er in den neuen Arbeiten, auf die Spitze getrieben. Die im Lipsiusbau selbst in Szene gesetzten Werke sind die Ernte der letzten fünf Jahre. Nur ganz selten noch lassen sich die Vorlagen erkennen, hier ein Flachbildschirm, der durch die schräge Vogelperspektive grafischen Charakter erhält, dort Baumstämme, schrundige Baumrinden mit expressivem Appeal oder Sitz- und Knautschfalten seines Sofas, die wie abstrakte Landschaften wirken. Meist jedoch hat er sich derart die Dinge herangezoomt, dass nur noch diffuse Schemen, nebelhafte Konturen sichtbar bleiben, bald in rötlichbraunen, bald in grünlichblauen Farbstufen.

Prominente Sammler

Havekosts komplexer Experimentalcharakter führt letztlich zu Entgrenzungen der Realität oder zu kalkulierten Auentäuschungen, den Trompe l?oeils: In der Serie "Eingang" hat er eine grelle Explosion, eingebettet in braune Einfarbigkeit (Monochromie), festgehalten. Scheinbar. In Wirklichkeit ist es die Wiedergabe von Blitzlichtreflexen auf einer Glasplatte. Furiose, virtuose Malerei. Die von Sammlern wie Museen schon lange geschätzt wird. Havekosts Bilder befinden sich in Museen in Paris, London, Amsterdam, Zürich, Wolfsburg oder Luzern. Prominente Sammler stiegen frühzeitig ein, vor allem die Familie Rubell in Miami (Florida), die an die 30 Werke besitzt. Sie publizierte einen eigenen Katalog, mit dem sie ihre Havekosts auf Tournee durch amerikanischen Museen schickte. Das machte den Dresdner in Übersee bekannt, so dass seine Bilder heute über den ganzen Globus verstreut sind, in Genf, Kalifornien, London oder Seoul und Berlin. Dort griff Heiner Bastian früh zu und zeigt jetzt 18 Bilder von 2001, also "Dresden-Pop", vom Künstler um einige neuere Arbeiten ergänzt.

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