Eberl, Meyer, Bussi
Bücher der Woche

Mehrere Autoren zeigen die östliche Sicht auf die Berliner Mauer, Ulrich Eberl bringt dem Leser Roboter näher, Clemens Meyer gibt eine Versuchsanordnung auf und Michel Bussi verwirrt seine Leser. Die Bücher der Woche.

Berlin/HamburgDie westliche Sicht auf die Berliner Mauer ist seit ihrem Bau 1961 in zahllosen Fotos dokumentiert. Auf östlicher Seite herrschte für den „normalen DDR-Bürger“ absolutes Fotografierverbot. Jetzt sind zwei umfangreiche Bände mit Fotos von DDR-Grenzsoldaten erschienen.

Für 148 Schüsse auf einen Flüchtling gab es eine Beförderung und eine Armbanduhr als „Sachprämie“. Die Hunde im Todesstreifen trugen Namen wie „Arras von der Wasserstraße“ und „Quinte von der Teufelswand“ und einer ihrer Herrchen hatte laut Personalakte „starke sadistische Neigungen“. Notizen und Aktenvermerke aus der lange geheimen Archiv-Hinterlassenschaft der DDR-Grenztruppen.

Sie werden jetzt in einer ebenso detailreichen wie historisch verdienstvollen zweibändigen Text-Foto-Edition von der Autorin Annett Gröschner und dem Fotografen Arwed Messmer dokumentiert („Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht“, Hatje Cantz Verlag).

Sie vollenden damit ein schon vor Jahren begonnenes Langzeitprojekt, verbunden mit einer Ausstellung im Berliner Haus am Kleistpark (bis 21. August). Über 1000 Panoramen und Einzelbilder zeigen den gesamten Verlauf der Mauer um West-Berlin, aufgenommen mit Kleinbildkameras der DDR-Grenzsoldaten.

Mit deutscher Gründlichkeit wird der Mauerbau von 1961 durch Berlin und um den Westteil herum in den folgenden Jahren von den DDR-Grenzsoldaten mit Kleinbildkameras oft amateurhaft dokumentiert, um die Grenzanlagen immer „perfektionierter“ zu machen. Die ersten Wachtürme (von über 200) gleichen wackligen, weil schnell zusammengezimmerten Jagdhochständen.

Unterstände erinnern an Pfadfinderhöhlen oder WC-Häuschen, Grabsteine eines Friedhofs werden zum Hocker umfunktioniert, Drahtverhaue erinnern an Laufgräben des Ersten Weltkriegs. Alles wurde zunächst mit einbezogen, auch Bahndämme, Hausfassaden und Fabrikmauern.

Erst sehr viel später entstand eine „durchrationalisierte Weglaufsperre“, wie es sie zuvor noch nirgendwo gegeben habe, heißt es in der Dokumentation. Dabei wird auch daran erinnert, dass Moskau bei seiner Zustimmung zu den drastischen Absperrmaßnahmen am 13. August 1961 zunächst nur Stacheldraht genehmigt habe.

Die Grenzsperren der ersten Jahre seien noch ein „scheinbares Provisorium von beeindruckend banaler Boshaftigkeit“ gewesen, schreibt Matthias Flügge in dem Buch. Die „wirkliche Monstrosität“ - nicht des Bauwerks, dessen äußere Erbärmlichkeit nie verlorenging - habe sich erst spät im damit verbundenen „Allmachtanspruch“ des Staates gezeigt.

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