Echo-Verleihung
In Berlin spielt die Musik

Die Kulissen der Berlinale sind noch nicht wieder weggeräumt, da steht Berlin schon wieder im Rampenlicht. Am Samstag findet in der O2 World das Schaulaufen der deutschen Musikindustrie statt: die Echo-Verleihung. Seit Tagen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die einst biedere Preisverleihung ist mittlerweile zu einem professionellen Live-Spektakel geworden.

DÜSSELDORF. Noch immer werden die Echos von der Deutsche Phono-Akademie und dem Kulturinstitut des Bundesverbandes der Musikindustrie verliehen. Aber so dröge wie sich das anhört, so poppig gibt man sich nach außen - als die bessere Version der MTV Awards oder die deutsche Ausgabe der "Grammys", der wichtigsten Preisverleihung der Musikbranche, die immer Anfang Februar mit unnachahmlichem Pomp und Showbiz in Los Angeles zelebriert wird.

Da geht es an der Mühlenstraße in Friedrichshain doch etwas hausbackener zu. Moderierte früher Dampfplauderer Oliver Geissen für den Privatsender RTL die Show im Congress Centrum nieder, soll dieses Jahr das ausgediente Harald-Schmidt-Echo Oliver Pocher, begleitet von Barbara Schöneberger, polternd und posaunend für das Erste durch eine runderneuerte Sendung führen. Denn die Öffentlich-Rechtlichen erhoffen sich von dem Musikspektakel - nicht zu Unrecht - Pluspunkte beim jüngeren Publikum.

Im Showteil wird aufgeboten was Rang und Namen hat. Von der internationalen Rocklegende U2 über Lokalfavoriten wie die Toten Hosen und Silbermond bis zu Shootingstars wie Amy McDonald und Kate Perry. Für die älteren Semester schmettert der singende Handy-Verkäufer Paul Potts aus Großbritannien ins Mikrofon. Ein Auftritt in einer Talentshow, von einer Telekom-Firma zum emotional aufgeladenen Werbespot hochstilisiert, katapultierte den Briten in die Opernsäle der Welt, seine CD-Verkäufe brechen alle Rekorde. Die Band Depeche Mode wird sogar ihre Single "Wrong" weltexklusiv in Berlin vorstellen.

Gearbeitet wird jetzt rund um die Uhr, insgesamt gehören zur Produktion 500 Personen - vom Regisseur über die Redakteure und Autoren, Kameraleute, Tontechniker und Maskenbildner bis hin zu Garderobieren, Fahrern, Köchen, Security, Dolmetschern und Künstlerbetreuern, die Stars und Sternchen jeden Wunsch von den Augen ablesen sollen.

Um die Stars auf der etwa 800 Quadratmeter großen Bühne ins rechte Licht zu rücken, hat der Veranstalter MME Me, Myself & Eye Entertainment 850 Scheinwerfer und eine 300 Quadratmeter große Projektionswand installiert. Für den passenden Sound sorgen zehn digitale Mischpulte, 300 Mikrofone und 321 Lautsprecher. Die Instrumente für die Musiker werden mit einem eigenen 17-Tonner-LKW transportiert. Insgesamt sind 45 Sattelschlepper und LKWs im Einsatz - das hat die Dimensionen einen Rolling-Stones-Auftritts.

Nominiert für einen der 24 Echos, die vergeben werden, sind großteils alte Bekannte: Madonna ist dabei, Herbert Grönemeyer, aber auch Newcomer sind vertreten. Dazu zählen Amy Winehouse (die wahrscheinlich nach einem erneuten Alkoholabsturz kaum persönlich wird erscheinen können) und die Britin Amy MacDonald, der absolute Shootingstar 2008. Sie erreichte mit ihrem Debüt-Album "This Is The Life" Platz 1 der Charts und inzwischen für Millionenverkäufe ihrer CD Zweifach-Platin-Status.

Für ihr Lebenswerk - ja, auch Rocklegenden kommen in die Jahre - wird eine deutsche Gruppe ausgezeichnet werden: die Scorpions um Leadsänger Klaus Meine. Doch die Fans können beruhigt sein, eine Echo-Verleihung für das Lebenswerk muss nicht das Aus der Karriere bedeuten.

Bereits 1992, bei der ersten Echo-Gala, bekam Alt-Rocker Udo Lindenberg einen Echo, auch er für sein Lebenswerk. Am Samstag, 17 Jahre danach, ist er wieder nominiert - diesmal in drei Kategorien, darunter "bester nationaler Künstler". Es gibt also noch Hoffnung für die Fans.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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