Ehrung in Berlin
Goldene Kamera für Robert De Niro

Ulrike Krumbiegel und Matthias Brandt sind in Berlin mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet wurden. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand allerdings ein anderes Paar: Robert De Niro, der eine Auszeichnug für sein Lebenswerk erhielt - überreicht von dem Mann, dem er seine größten Erfolge verdankt.

HB BERLIN. Sie sind Weggefährten und alte Freunde: Robert de Niro spielte in acht Filmen von Martin Scorsese mit, unter anderem in „Taxi Driver“ und „Wie ein wilder Stier“, für den er einen Oscar bekam. Am Mittwochabend gab es bei der 43. Verleihung der Goldenen Kamera in Berlin ein Wiedersehen der beiden. De Niro wurde von der Fernsehzeitschrift „Hörzu“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Trophäe überreichte Scorsese - überraschend, wie Laudator Mario Adorf zuvor anmerkte.

Allerdings: Weder de Niro noch Scorsese schienen überrascht zu sein. Der Bereich hinter der Bühne, wo sich beide zuvor aufhielten, ist wohl auch nicht groß genug, um sich zu übersehen. Und dann hatte Scorsese Berlin sowieso auf dem Terminplan: Spätestens am Donnerstagnachmittag wäre er an der Spree gewesen, um bei der Berlinale den Eröffnungsfilm zu präsentieren - sein neues Werk „Shine A Light“ über die Rolling Stones.

De Niro und Scorsese spielten brav ihre Rollen. „Er lebt die Charaktere“, lobte Scorsese seinen alten Kumpan. Keiner sei vielfältiger als der 64-Jährige. De Niro verzog keine Miene. „Ich bedanke mich für die Ehre“, sagte er auf Deutsch. Spätestens beim Fototermin nach der Show war ihm jedoch anzusehen, wie sehr ihn das Ganze nervte.

Beliebige Kategorien gebe es bei der Goldenen Kamera nicht, hatten die Veranstalter vor der Verleihung angekündigt. Dafür vergaben sie dieses Mal nicht nur an de Niro einen Preis fürs Lebenswerk, sondern an zwei weitere Prominente. Rock'n' Roll-Legende Chuck Berry war der zweite Auserwählte, Alfred Biolek der dritte. Berry, mittlerweile 81 Jahre jung, zeigte sich schwungvoll, stimmte „Roll Over Beethoven“ an, tanzte dazu und brachte das Publikum zum Mitnicken.

Es gab auch noch einen weiteren „Überraschungsgast“ - die Sängerin Helen Schneider. Vor 30 Jahren schaffte sie in Bioleks Show „Bios Bahnhof“ ihren Durchbruch und sang dort auf seinen Wunsch das Volkslied „Sah ein Knab ein Röslein stehn“. Nun nahm sie Revanche und bat Biolek zum Duett. Zusammen sangen sie voller Schmelz das Lied.

Der Rest war mehr oder weniger Routine. Emotionslos erklärte Boris Becker, er sei voller Emotion, die australische Popsängerin Kylie Minogue auszeichnen zu dürfen. Diese sei für ihn nach Überwindung ihrer Brustkrebserkrankung ein Vorbild, niemals im Leben aufzugeben. Die 39-jährige Minogue sang ein Lied.

Til Schweiger agierte bei seiner Laudatio für Hilary Swank ähnlich wie Becker. „Ich bin seit Jahren absoluter Fan von ihr“, erklärte er und verzog kein Gesicht. Er genieße es, der 33-Jährigen Respekt zu zollen. Die zweifache amerikanische Oscarpreisträgerin antwortete vier Worte auf Deutsch: „Guten Abend, vielen Dank.“

Emotionaler war da der Auftritt der behinderten jugendlichen Schauspielerin Denise Marko, der Arme und ein Bein fehlen. Sie spielt die Hauptrolle im Film „Contergan“ über den Skandal um das gleichnamige Schlafmittel, der als bester Fernsehfilm ausgezeichnet wurde. Marko hatte 14. Geburtstag und bekam prompt ein Ständchen „Happy Birthday“ vom Publikum. Produzent Michael Souvignier sagte, Contergan-Hersteller Grünenthal klage weiter gegen den Film. „Wir nehmen den Kampf an.“ Ab Ende des Monats komme der Film in die Kinos, berichtete Souvignier und die rund 900 Gäste im Axel-Springer-Haus klatschten.

Es gab auch einige wenige amüsante Momente. Etwa, als die 46-jährige Ulrike Krumbiegel sich in ihrer Dankesrede an Robert de Niro wandte und ihn um ein Autogramm bat: „Das ist die einzige Chance im Leben“, sagte die 46-Jährige, eben als beste nationale Schauspielerin ausgezeichnet. Laudatorin Cordula Strathmann erzählte etwas von „Playboy“-Angeboten und sagte dann: „Ich wollte, dass der Herr de Niro weiß, was für eine Hausnummer ich in diesem Land bin.“

Auf dem roten Teppich erhielt die Magdeburger Band Tokio Hotel den lautesten und kreischendsten Zuspruch. Im Saal ernteten die vier Jungs, die in der Kategorie Musik national geehrt wurden, mehr oder weniger betroffenes Schweigen. Sänger Bill Kaulitz wollte provokant und witzig sein und sprach in seiner Dankrede über „Poppen“ und davon, dass sie von der Bundeswehr gejagt worden seien, weil sie einem Opa einen „geballert“ hätten. Trotzdem oder deswegen seien sie nun hier.

Einen Tag vor Eröffnung der Berlinale schafften es die Veranstalter also, wieder ein beachtliches Staraufgebot nach Berlin zu schaffen. Sparten wie im vergangenen Jahr, als für Pierce Brosnan die „Spezial-Kategorie Umweltschutz“ und für Simon Rattle die „Spezial-Kategorie Integration“ eingerichtet wurden, gab es nicht mehr - dafür umso mehr Lebenswerk-Preise. Zu sehen ist die Gala am Freitag um 21.15 Uhr im ZDF.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%