Eichingers Ticket für den Aufstieg zum internationalen Kino-Olymp: "Der Untergang" hat gute Oscar-Chancen

Eichingers Ticket für den Aufstieg zum internationalen Kino-Olymp
"Der Untergang" hat gute Oscar-Chancen

Historisch gesehen, sind die Oscar-Chancen für den Hitler-Film „Der Untergang“ denkbar günstig: Denn alle deutschen Filme, die bisher von der amerikanischen Filmkunst-Akademie mit dem Auslandspreis gewürdigt wurden, erzählen Geschichten, die sehr direkt mit dem Nationalsozialismus verknüpft sind.

HB HAMBURG. Das Werk von Oliver Hirschbiegel und Bernd Eichinger führt jedoch mitten ins Herz der Diktatur - und es ist spannend, ob das Drama über Hitlers letzte Tage im Berliner Führerbunker 1945 das Herz der Academy erobern kann. Volker Schlöndorffs Meisterwerk „Die Blechtrommel“ (1980) oder das Emigranten-Schicksal „Nirgendwo in Afrika“ (2003) von Caroline Link - beide deutschen Oscar-Gewinner spielen im Schatten der NS-Zeit.

Auch der Weltkriegs-Thriller „Das Boot“ und die Medien-Satire „Schtonk“ gehören zu den deutschen Oscar-Nominierten mit deutlichen thematischen Wurzeln in Bereich Vergangenheitsbewältigung. „Der Untergang“ mit Bruno Ganz als Hitler ist im Vergleich dazu ein anderes Kaliber. Er zeigt nicht die Auswirkungen des Faschismus auf die Opfer, sondern nimmt den systematischen Wahnsinn seiner Urheber direkt unter die Lupe. „Es wird offensichtlich unser Ansatz gewürdigt, dass wir versuchen, deutsche Geschichte mit dieser neuen Sicht zu bearbeiten“, sagte der 47-Jährige Regisseur Hirschbiegel der dpa zur Nominierung.

In den USA, wo „Der Untergang“ gut eine Woche vor der Oscar-Nacht in wenigen Kinos angelaufen ist, war die Kritik bisher überwiegend positiv, teilweise sogar hymnisch: „Einer der besten Kriegsfilme aller Zeiten“, lobte der „Hollywood Reporter“, der für viele der Academy-Mitglieder zur Pflichtlektüre zählt. „Ein Film, der neue Standards in der Übertragung von Geschichte auf Zelluloid setzen kann“ - und für bedeutende Preise in Frage komme.

Die in Deutschland und europäischen Nachbarländern geführte Debatte um den Film greift das Nachrichtenmagazin „Newsweek“ auf: „Vermenschlicht „Der Untergang“ Hitler und seine Henker, wie Kritiker beklagt haben?“, fragt das Blatt. „Ja, und das soll so sein“, heißt es weiter. „Zu behaupten, diese Schurken seien weniger als menschlich gewesen, bedeutet uns selbst vom Haken zu lassen und den leichten wie gefährlichen Ausweg der Dämonisierung zu nehmen.“

Der Filmregisseur Wim Wenders und der Theatermacher Peter Zadek sehen das anders. Sie haben dem Produzenten und Drehbuchautor Bernd Eichinger und Regisseur Hirschbiegel vorgeworfen, ihr Werk sei gefährlich „verharmlosend“ (Wenders) und „opportunistisch, widerlich“ (Zadek). Gerüchte, wonach der Film „Kultstatus in der rechtsradikalen Szene“ erlangt habe, griff auch Kulturstaatsministerin Christina Weiss Mitte Februar in Berlin auf. Doch ließ sie keinen Zweifel daran, dass „Der Untergang“ wichtig und die Auseinandersetzung der Filmschaffenden mit dem Nationalsozialismus notwendig sei.

Die Filmbranche hat sich von den wenigen Contra-Stimmen zum „Untergang“, der mit 4,6 Millionen Besuchern in Deutschland auch ein Publikumshit war, ohnehin nicht berühren lassen: Produzent Eichinger wurde beim Bayerischen Filmpreis mit dem Produzentenpreis und 200  000 Euro belohnt, einen „Bambi“ gab es auch. Und jüngst wählte eine Fachjury den 55 Jahre alten Münchner auch zum „wichtigsten Mann im deutschen Kino“. Mit einem Oscar am kommenden Montag hätte Eichinger dann auch seinen Platz im internationalen Kino-Olymp sicher.

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