Ein Alptraum
Neu im Kino: "Spider" von David Cronenberg

David Cronenberg, der kanadische Regisseur, ist ein Visionär, der sein eigenes filmisches Universum entwirft. Sein neuer Film ist wie ein Traum, besser: wie ein Alptraum. Dabei ist der Kern der Geschichte einfach: ein Mord-Fall.

Ein Mann bringt seine Frau um und holt an ihrer Stelle eine Prostituierte in die Familie. Das reicht bereits in Untiefen des menschlichen Charakters hinein, aber Cronenberg reicht das nicht. Der kleine Sohn kriegt den Mord an seiner Mutter mit. Nachts dreht er den Gashahn auf, um den Vater und die neue Mutter zu vergiften.

Da ist David Cronenberg schon tief in menschliche Abgründe hinab gestiegen. Doch noch immer reicht ihm das nicht. Er zeigt den kleinen Sohn Jahrzehnte später. Die Tat der Kindheit hat ihn in den Wahn getrieben. Er ist geistig verwirrt, stammelt kaum verständliche Wörter, schreibt unlesbare Zeichen in ein Notizbuch. Cronenberg führt ihn an den Ort seiner Kindheit zurück, einen Vorort Londons. Er erzählt diese Kindheit, zeigt Stück für Stück die Vorgeschichte des Mordes, den Mord, den zweiten Mord.

Auch wenn die Geschichte einigermaßen kompliziert ist, folgt man den Bildern mit Aufmerksamkeit und Spannung. Das liegt daran, dass David Cronenberg sehr ökonomisch, sehr genau erzählt; und dass er einprägsame Metaphern findet für die Einsamkeit seiner Figuren. Und es liegt an der großartigen Leistung des Hauptdarstellers Ralph Fiennes und an der nicht minder beeindruckenden Leistung von Miranda Richardson.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%