Ein Blick auf die Konventionen von gestern
Klein und kariert

Die Kultur der Abgrenzung treibt im Golf viele Blüten: Beim Golf dürfen wir auf die Wiesen der Glückseligkeit erst nach einer Prüfung. Da müssen wir uns über Regeln befragen lassen und, igittigitt - zur Etikette.

Fußball spielen auf?m Platz und joggen im Wald und darf jeder. Bei Tennis oder Badminton ist es auch ganz leicht: Wer die Platzmiete zahlt, schlägt eben auf. Nur beim Golf dürfen wir auf die Wiesen der Glückseligkeit erst nach einer Prüfung. Da müssen wir uns über Regeln befragen lassen und, igittigitt - zur Etikette. Damit es auch alle Neu-Golfer wissen: Dieser altmodische Begriff ist überaus prägend für den Golfsport, fast so wichtig wie Ball, Schläger oder Handicap. Aber er ist schwammig und missverständlich, klingt verstaubt vorgestrig und riecht wie bei Altadels auf der Chaiselongue. Entsprechend naserümpfend reagieren Nichtgolfer: Hältst du dich denn auch an diese E-ti-ket-te, an dieses Feine-Leute-Benehmen? Und trägst du auch diese Karohosen, ja? Nein? Und schon sind wir ganz gehörig auf dem Holzweg. Kleidung hat, entgegen aller Vermutung, mit Etikette nichts zu tun.

In den Golfregeln taucht der Begriff Kleidung genau einmal auf, in Vorschrift 19-3: "Ist der Ball in oder auf Kleidung des Gegners oder dessen Caddies zur Ruhe gekommen, so darf der Spieler ..." Kleidung gehört zur Ausrüstung. Etikettespezifisch ist sie nicht. Kleiderregeln sind höchstens antrainierte Schein-Etikette, Üblichkeiten, Konventionen. Erwartet werden auf dem Golfplatz Kragenhemdchen (allerdings nur bei Männern), verboten sind Miniröcke (auch bei Frauen). Albern wird das spätestens an heißen Sommertagen, und dann schon auf der Clubhausterrasse: Männer müssen Ärmel tragen, Frauen dürfen lüften.

Und weil wir unter Golfern sind, wird sich garantiert jemand beschweren, wenn sich - wieder igitt - ein Mann erleichternderweise weiblich im ärmellosen Hemd zeigt. Kleidungsregeln sind Marotten der Clubs. Manchmal hängen sogar Schilder "No Blue Jeans" am Eingang. Auch das ist weltfremd: Erstens wissen wir nicht, warum eine Stoffart diskriminiert wird; zweitens fragen wir uns, wer einem zur Kontrolle stoffprüfend an die Wäsche möchte, und drittens, ob dann wohl rote oder schwarze Jeans erlaubt sind.

Manche Golfer glauben dennoch, dem kleinsten, feinsten Karo die größte Ehrerbietung entgegenbringen zu müssen. Dabei müssen wir bei Profis, also bei richtigen Golfern, schon suchen, wenn wir noch ein Exemplar mit Karohosen sehen wollen. In Wahrheit gehören zur Etikette schlicht Selbstverständlichkeiten: Rücksichtnahme, Sicherheit, Fairness. All diese, wie man früher sagte, Golfsitten, sind in den einleitenden Erklärungen festgehalten, die die Überschrift "Etikette" tragen. Ohne dass das Wort später noch einmal auftaucht. Aufgeführt ist, was wir tun sollten: den Platz schonen, Verantwortung übernehmen für kleine Beschädigungen, Bunker nach Misshandlung harken, nicht unnötig im Weg stehen, schnellere Gruppen durchspielen lassen, nur schlagen, wenn niemand in Reichweite ist. Kurz: angewandter gesunder Menschenverstand. Und das wird in Prüfungen auch abgefragt.

Wir sollten auch wissen, dass wir schlichtweg die Klappe zu halten haben und uns auch nicht in irgendeiner Art und Weise bewegen, wenn sich nebenan jemand gerade auf seinen Schlag konzentriert. Dass wir unser Wägelchen nicht zwischen Bunker und Grün lang ziehen oder die Tasche nicht auf dem Grün ablegen. Wir sollten wissen, wer wann die Fahne bedient. Und dass es sinnvoll ist, nach dem letzten Putt schnell das Grün zu verlassen. Andere warten nämlich. Immer ist in diesen Regeln von "sollen" die Rede. Spielstrafen sind nicht vorgesehen. Wohl aber kann ein Club Ermahnungen oder Platzverweise aussprechen. Und das kann sinnvoll sein: Haudraufs und rücksichtslose Dummköpfe können lebensgefährlich werden. Golfbälle sind selten aus Schaumstoff.

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