Ein Jahr nach dem Brand
Wiederaufbau der Anna Amalia Bibliothek begonnen

Der etwa zwölf Millionen Euro teure Wiederaufbau der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar hat knapp ein Jahr nach dem verheerenden Brand begonnen. Im 200. Todesjahr der Herzogin, im Jahr 2007, soll die Bibliothek, in der Goethe lange die Leitung hatte, wiedereröffnet werden.

HB WEIMAR. Zunächst müssen in dem von Feuer und Wasser schwer gezeichneten Rokokosaal sieben tragende Holzbalken durch Stahlträger ersetzt werden, sagte Architekt Walther Grunwald am Donnerstag auf der Baustelle in Weimar. Dazu werde die gesamte Saalkonstruktion samt Holzeinbauten in einem komplizierten Verfahren um acht Millimeter angehoben.

Die Last der zeitweise frei schwebenden Abschnitte hänge dann in einer im Dachbereich installierten wuchtigen Trägerkonstruktion. Bis Ende September sollen diese Arbeiten beendet werden. „Parallel dazu wird von der zweiten Septemberwoche an der neue Dachstuhl gesetzt“, sagte der Leiter der Abteilung Bauten der Klassik Stiftung Weimar, Jürgen Beyer. Bereits zum Geburtstag von Anna Amalia am 24. Oktober will die Stiftung Richtfest feiern.

Tragik der Geschichte: das 1565 als fürstliches Wohnhaus errichtete und im 18. Jahrhundert als Bibliothek umgebaute Gebäude stand kurz vor der dringend notwendigen Sanierung, als es durch den Brand 2004 zusätzlich schwer geschädigt wurde. Es verbrannten auch 50 000 wertvolle Bücher und 35 Gemälde, fast 63 000 Bücher wurden durch Löschwasser oder Feuer beschädigt.

„Seit der Brandnacht haben wir alles getan, um die Bausubstanz zu retten“, sagte Beyer. Das Gebäude musste statisch gesichert werden. Sofort wurde auch mit der Trocknung der von Löschwasser vollgesogenen Hölzer und Mauern begonnen. Durch den leeren Rokokosaal, dessen einstige Schönheit trotz Brandwunden noch zu erahnen ist, schlängeln sich dicke, silbrige Gebläseschläuche. Allein in dem Saal überprüfen 80 Messpunkte Temperatur und Feuchtigkeit.

„Das ist meine schwierigste Baustelle“, sagte Architekt Grunwald. „Und ich mache das nun schon 30 Jahre.“ Immer wieder treten ungeahnte Probleme auf. Oberstes Gebot sei jedoch, so wenig wie möglich an historischer Bausubstanz auszuwechseln oder zu beschädigen. Wie kompliziert allein das Auswechseln der Balken ist, wird auf dem von einem Notdach gesicherten Dachboden deutlich. Dort prüft Mike Detzner von der auf Bausanierung spezialisierten Bennert GmbH (Hopfgarten) mit einem Druckmanometer, dass sich die dicken Stahlschrauben beim millimeterfeinen Anheben der Säulen nicht aus dem weichen Holz ziehen. „Die Balkenfläche erlaubt nur drei Versuche. Bisher haben alle Schrauben gehalten.“

Der Wiedereinbau des Rokokosaales und seine Bemalung nach alten Vorlagen wird eine weitere Herausforderung, ist sich Grunwald sicher. 2007 soll sich die Bibliothek als Zentrum für das alte Buch präsentieren. Dann kehren auch die vor dem Feuer geretteten Bücher an ihren angestammten Platz zurück. 33 000 durch Löschwasser beschädigte Bücher seien bereits getrocknet und wieder in Weimar, sagte der stellvertretende Bibliotheksdirektor Jürgen Weber. Gesucht werde noch nach einer Technologie zur Restaurierung der etwa 30 000 „Aschebücher“.

Die angekohlten Bücher lagern noch tiefgefroren in Leipzig. „Wir hoffen, dass viele Bücher im Kern noch gut sind, darunter auch die Notenhandschriften von Anna Amalia.“ Mit Spezialverfahren in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Köln wollen die Weimarer Notizen auf verkohlten Seiten sichtbar machen. Laut Stiftung sind bisher rund zehn Millionen Euro an Privatspenden für Restaurierung oder Wiederankauf von Büchern eingegangen.

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