Eine Herausforderung
Wie man eine Ikone spielt

In dem Film „Die Journalistin“ verkörpert Cate Blanchett die Reporterin Veronica Guerin, die mit unerschrockenen Recherchen die Dubliner Drogenbosse entblößte und mit dem Leben bezahlte.

Ms. Blanchett, Sie verkörpern eine irische Volksheldin, die als mutige Vorkämpferin gegen die Drogenkriminalität in die Geschichte einging. Hatten Sie keine Bedenken, eine solche Ikone zu spielen?

Es ist immer eine besondere Herausforderung, jemanden zu spielen, der tatsächlich gelebt hat und der noch dazu seinem Land etwas bedeutet. Weil man hinter die Fassade der Ikone gelangen muss. Das war hier besonders schwierig: Veronica Guerin lebte schließlich in den Medien. Ihr Gesicht und ihre Stimme sind zumindest in Irland den Menschen noch sehr vertraut.

Als Guerin starb, sagten nicht wenige, sie sei Opfer ihrer eigenen Naivität geworden. Richtig?

Nein. Wer hat schon dauernd die Konsequenzen des eigenen Tuns vor Augen? Wir alle manövrieren doch jeden Tag äußerst waghalsig durch den Straßenverkehr, im festen Glauben, dass wir auch heute wieder davonkommen. Und man steigt schließlich nicht in den Boxring mit dem Gedanken im Kopf: Ich werde verlieren. Man schlägt Schlachten, um sie zu gewinnen.

Manche Leute allerdings ziehen gar nicht erst in den Krieg.

Ich habe neulich genau darüber mit meinem Mann gesprochen. Für ihn leben wir in einem feigen Zeitalter. Veronica Guerin hat versucht, ruchlose Drogenbosse zur Strecke zu bringen, und sie hat sich geweigert, sich von deren Drohungen einschüchtern zu lassen. Und alles, was uns einfällt, ist, sie zu kritisieren: Wie konnte sie nur? Noch dazu, wo sie Mutter eines kleinen Jungen ist. Aber ebendas ist doch Heldenhaftigkeit: um die Gefahren zu wissen und trotzdem weiterzumachen.

Einer der Drogenbosse hat den kleinen Sohn von Veronica Guerin ausdrücklich bedroht ...

Ihre Familie war ihr mitnichten egal. Aber wie hätte sie ihrem Sohn jemals aufrichtig sagen können: Dies ist eine Welt, in der es sich zu leben lohnt? Wie sicher wäre er gewesen, wenn John Gilligan weiterhin die Menschen tyrannisiert hätte? Es ist wie mit den Schulhof-Tyrannen: Man muss sich ihnen entgegenstellen. Sonst fallen sie früher oder später über einen her.

Hat Veronica Guerin wissentlich ihr Leben riskiert, um die Wahrheit ans Licht zu bringen?

Wenn man sich in eine Sache hineinstürzt, konzentriert man sich nicht auf die Risiken, sondern aufs Ziel. Die Risiken sind einfach die Umstände, unter denen man arbeitet. Niemand fängt irgendwas an, um sein Leben zu riskieren. Wenn mir etwas wichtig wäre, würde ich wohl auch ziemlich weit gehen, aber ich würde sicher niemals absichtsvoll mein Leben aufs Spiel setzen. Deswegen ist ja ihr Tod so tragisch, weil er so schockierend war. Niemand hat geglaubt, dass das passieren würde.

Würden Sie den Mut haben, solchen Leuten gegenüberzutreten?

Ich glaube, ich bin ziemlich hartnäckig, ja – wenn ich wirklich an etwas glaube. Aber man weiß nie, wie man in solchen Situationen reagiert, und man kann kaum vorhersagen, was man tut, bevor man seinem Gegner nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden hat. Also kann ich nur spekulieren.

Wofür würden Sie Ihr Leben aufs Spiel setzen?

Für meine Familie, auf jeden Fall.

Haben Sie selbst eine Heldin?

Ich finde Jane Fonda sehr außergewöhnlich. Sie hatte eines der außergewöhnlichsten Leben überhaupt, und sie ist eine sehr engagierte Frau. Wenn man älter wird, ist es wichtig, Verbindungen zur nächsten Generation aufrechtzuerhalten. Das schafft sie. Und sie hatte so viele Leben – sie ist wie eine Katze. Ich bewundere sie wirklich.

Als Nächstes verkörpern Sie in Martin Scorseses Howard-Hughes-Film „The Aviator“ die Schauspielerin Katherine Hepburn. Schon wieder eine Ikone ...

Ja, leider habe ich sie nie treffen können. Es ist seltsam mit Menschen, die zu Ikonen geworden sind: Ich dachte immer, Katherine Hepburn ist auf der Leinwand aufgetaucht und war fortan ein Superstar. Aber in den späten Dreißigern und frühen Vierzigern galt sie zusammen mit Joan Crawford und ich glaube Greta Garbo als veritables Kassengift! Jeder ihrer frühen Filme war eine einzige Katastrophe, und die Leute fanden, dass sie überhaupt nicht schauspielern könnte. Damals schlug man beim Namen Katherine Hepburn die Hände überm Kopf zusammen. Dies ist ein Zeitausschnitt ihrer Karriere, von dem ich keine Ahnung hatte, und das interessiert mich brennend.

Das Interview führte Nina Rehfeld

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