Eine Kommission widerlegt Aussagen, das Fürstentum sei eine Fluchtburg für geraubte jüdische Besitztümer gewesen
Historiker entlasten Liechtenstein

Der Direktor der Bank in Liechtenstein, Franz Schredt, war Mitglied der deutschen Auslandsorganisation der NSDAP. Der einflussreiche Anwalt Victor Wohlwend aus Vaduz vertrat die einheimische NS-Bewegung. Der Treuhänder Ludwig Hasler lieferte sogar gegen Bezahlung Informationen an die Abwehrstelle München. Liechtenstein als Hort der NS-Vermögensjongleure?

HB VADUZ. Aufgelistet finden sich diese Namen in dem jetzt vorgelegten Schlussbericht einer unabhängigen Historikerkommission zur Verwicklung des Fürstentums Liechtenstein in die NS-Zeit. Sechs renommierte Geschichtsforscher haben den Bericht herausgegeben - unter ihnen die Wiener Historikerin Erika Weinzierl und der Wissenschaftler David Bankier von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Das Werk ist nur ein Stein im Puzzle, an dem Historikerkommissionen allerorten arbeiten, in der Schweiz, in Österreich und nun also auch in Liechtenstein.

Elan Steinberg vom Generalsekretariat des jüdischen Weltkongresses hatte im Jahr 2000 gesagt, "Finanzinstitute aus Liechtenstein" hätten geraubte jüdische Besitztümer "gemeinsam mit den Nazis" versteckt. Es handele sich um "Gold, Geld und gestohlene Kunst". Diese Äußerungen wollte das kleine Land im Dreiländereck zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht auf sich sitzen lassen.

Dies galt umso mehr, als die Liechtensteiner nach einigen selbst verschuldeten Finanzskandalen inzwischen stark an ihrem Image arbeiten und beispielsweise eine Finanzmarktaufsicht installiert haben, die internationalen Standards entspricht. Um auch den Vorwurf der Nazi-Kollaboration aus der Welt zu schaffen, beauftragten sie 2001 eine Historikerkommission, statteten sie mit annähernd 2,2 Mill. Euro aus und gaben ihr ein starkes, unabhängiges Mandat für ihre Untersuchungen.

Das Ergebnis ist so unspektakulär, wie es sich die Liechtensteiner nur wünschen konnten. "Liechtenstein hat in der bewegten größeren europäischen Geschichte (...) wegen der Bedeutungslosigkeit dieses Landstreifens überlebt", schreiben die Historiker. Das ist zwar nicht schmeichelhaft, führt jedoch auch zu der Einschätzung, dass das Fürstentum sowohl im Guten wie im Bösen keinen nennenswerten Beitrag leistete.

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