Eine Woche „Gottschalk Live“
Der tiefe Quoten-Fall des Thomas Gottschalk

Viele Zuschauer, Witz und frische Ideen – Fehlanzeige. Nach einer Woche „Gottschalk Live“ steht fest: Das TV-Publikum wird allabendlich Zeuge der Selbstdemontage des einstigen Königs der Samstagabend-Unterhaltung.
  • 29

DüsseldorfSchon am Ende der ersten Sendung war der ehemalige König der Showmaster am Boden: „Ich brauche jeden Zuschauer", flehte Thomas Gottschalk in die Kamera, auf dem Studioboden kniend, die Hände gefaltet. Tatsächlich entpuppte sich diese Bitte, offensichtlich als Akt der typisch Gottschalk'schen Koketterie gedacht, zum Ende seiner ersten Talkwoche als beängstigend prophetisch. Seine Vorabendshow „Gottschalk Live" hat einen Fehlstart nach Maß hingelegt.

Die Quoten fielen von Tag zu Tag. Von 4,34 Millionen (Marktanteil: 14,3 Prozent) zur Premiere am Montag, 2,43 Millionen (Marktanteil: 8,6 Prozent) am Dienstag, 2,2 Millionen (7,8 Prozent) am Mittwoch bis zum vorläufigen Tiefpunkt am Donnerstag, als nur noch 1,83 Millionen (6,7 Prozent) um 19.20 Uhr einschalteten. Quoten-Katastrophe statt Quotenrenner. So hatte sich die ARD, die mit dem Format im Vorabend-Quotenloch hatte punkten wollen, das nicht vorgestellt.

Gute Gäste, aber keine Themen

Dass mit dem Vorabend-Boulevardtalk ein revolutionärer Coup gelingen würde, hatte niemand ernsthaft erwartet. Für die ARD war die Verpflichtung von Gottschalk für nicht ganz vier Millionen im Jahr offenbar Coup genug. Kantige, unkonventionelle Formate sind ohnehin eher was für die Testlabor-Sendeplätze der Öffentlich-Rechtlichen ab 23 Uhr - auch, wenn sich Gottschalk selbst gern als Programm-Revoluzzer gesehen hätte.

Doch witzig und unerwartet kann Gottschalk eben nicht und es daher auch weder vom Esprit noch vom Unterhaltungswert her mit jüngeren Formaten wie denen von Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt („Neoparadise“, ZDFneo) oder Kurt Krömer („Kurt Krämer Show“, rbb) aufnehmen, die sogar inhaltlich substantiell unterhalten können. Ein Armutszeugnis für die Programmmacher der ARD, dass sie es Gottschalk trotzdem in dieser Form versuchen ließen.

Ganz „interaktiv“ sollte dessen Show werden. Aber allein Zuschauer über soziale Netzwerke Fragen stellen zu lassen und das dann als die Neuerfindung der Zuschauerbeteiligung zu verkaufen – wenn auch nicht ganz ernst – wirkt nur peinlich. Besonders, wenn der Mann im Zentrum der Show verkündet, seine Mitarbeiterin Caro habe ihn „in dieses Facebook geschleppt“. Diese Ferne von der anvisierten Zielgruppe schlug sich auch in den Quoten nieder. Selbst zum Start schalteten noch nicht mal eine halbe Million der 14- bis 49-Jährigen ein.

Kommentare zu " Eine Woche „Gottschalk Live“: Der tiefe Quoten-Fall des Thomas Gottschalk"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was setzt man uns da vor? Der Name Gottschalk ist abgegriffen! Die Sendung ist uninteressant und langweilig!

  • Nur weil's "die und den ein oder andere/n" tatsächlich gibt: Weiß man eigentlich schon irgendwas zu einem Plan B der ARD in dieser Angelegenheit?- "Der Rest" ist für oben benannte Zielgruppe nämlich schon durch.

  • Von der Sache her hat die Autorin sicher recht, stellt sich nur die Frage, ob das "Handelsblatt" genauso urteilen würde, wenn die Sendung ein Quotenerfolg wäre...?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%