Elbphilharmonie
Hochtief baut zum Pauschalpreis weiter

Seit anderthalb Jahren hat sich an der Baustelle der Elbphilharmonie nichts getan. Bald macht der Hochtief-Konzern aber weiter. Die Hamburgische Bürgerschaft hat einem Vertrag zugestimmt. Der ist umstritten.
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HamburgNach mehr als eineinhalb Jahren Stillstand können die Bauarbeiten an der Hamburger Elbphilharmonie weitergehen. Die Bürgerschaft segnete am Mittwoch in einer Sondersitzung mit den Stimmen der alleinregierenden SPD die von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) ausgehandelte Neuordnung von Deutschlands größtem Kulturprojekt ab. Danach übernimmt der Essener Baukonzern Hochtief nun sämtliche Risiken und baut das Konzerthaus bis Oktober 2016 zum „Globalpauschalfestpreis“ von 575 Millionen Euro zu Ende.

Die Gesamtkosten inklusive aller Neben- und Planungsposten belaufen sich laut Senat inzwischen auf 789 Millionen Euro. Die Elbphilharmonie kommt den Steuerzahler damit mehr als zehnmal so teuer wie angekündigt, als das Konzerthaus 2005 vom damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) mit rund 77 Millionen Euro veranschlagt wurde.

CDU, Grüne und Linke stimmten gegen die Neuordnung des Baus der Architekten Herzog & de Meuron, die FDP enthielt sich der Stimme. Zuvor hatte Scholz noch vergeblich um Unterstützung aus der Opposition geworben. Er verwies etwa auf die zuletzt angehörten Sachverständigen, die alle für die ausgehandelte Neuordnung plädiert hätten. Der Vertrag biete nicht nur einen Festpreis und sichere die Bauqualität. Dazu gehöre auch eine Haftungs- und Garantieübernahme durch Hochtief, die „kein anderer öffentlicher Bauherr in künftigen Verträgen jemals bekommen wird“, sagte Scholz. Die Zusatzkosten und den Verzicht auf Schadenersatz durch die Stadt erklärte Scholz mit Blick auf nach wie vor bestehende Risiken, die nun jedoch sämtlich bei Hochtief lägen.

Scholz betonte, die Stadt sei bis Dezember vergangenen Jahres auf Kündigungskurs gewesen. Das Szenario sei bereits durchgerechnet gewesen. Der Bruch mit Hochtief habe nur durch ein letztes Angebot durch den Konzern abgewendet werden können. Trotz der Bitten um Unterstützung konnte sich Scholz jedoch eine Spitze gegen Opposition und Vorgängersenate nicht verkneifen: „Nur wer starke Nerven hat, nur wer hart verhandelt, wer nicht mit den Logiken des politischen Prozesses, sondern mit einer klaren Interessenvertretung der Stadt in dieser Sache agiert, kann ein so gutes Ergebnis erzielen.“

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Zusätzliche Kosten stoßen übel auf

Kommentare zu " Elbphilharmonie: Hochtief baut zum Pauschalpreis weiter"

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  • Ursprungsangebot der Hochtief waren 77 Mio.EUR für den Bau der Elbphilharmonie, und jetzt liegen die bei über 700 Mio. EUR. Dass Hamburg trotzdem eine Vertrauensbasis zu Hochtief glaubt zu haben, widerspricht jeder Vernunft und Logik, und jedes andere Bauunternehmen wäre schon seit 2010 rausgeflogen, stattdessen bekniete Hamburg die Hochtief. Daher kein Wunder, wenn selbst die Hamburger Zeitung zuletzt Artikel veröffentlichte "wie Freier von St.Pauli ... es fehlte nur noch eine Prügelei am Kai ..." Aber vielleicht kommt die ja jetzt noch.
    Sorry, aber das alles sieht irgendwie doch sehr schlüpfrig aus, was und wie es da abläuft.
    Mir tun nur die Hamburger leid, dass die Bürger auf die SPD vertrauen anstatt Volksbegehren auf den Weg zu bringen, wenn die Parteien schluffig wirken.

  • 10mal teurer? Typisch ACS, typisch Florentino Perez... Viel Spass bei der Filetierung von Hochtief...

  • Wäre doch sehr interessant zu hören, wie Ole von Beust zu seiner Offerte für 77 MEUR kam, was genau darin stand, und warum er daran glaubte.
    Wird das dem Steuerzahler vielleicht auch mal unverschleiert offengelegt?

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