Elfenbein im Höhenflug
Rösser und Reiter in wildem Schlachtengetümmel

Skulpturen, Schalen und Pokale aus Elfenbein erlebten im Münchener Auktionshaus Hampel einen Höhenflug. Für je 120.000 Euro, das Doppelte der unteren Schätzung, wurden zwei Deckelpokale des Historismus verkauft, die die Schlacht zwischen Alexander und Darius bei Issos darstellen. Den Höchstpreis erzielte eine aufwendig geschnitzte Schauplatte aus dem 19. Jahrhundert mit 350.000 Euro.
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MÜNCHEN. Äußerst erfolgreich war die Versteigerung einer Privatsammlung von Elfenbeinarbeiten bei Hampel Art Auctions in München am 4. Dezember. Das "weiße Gold", wie es auch genannt wird, machte seinem Namen alle Ehre. Rund 60 Objekte aus einer "europäischen Privatsammlung" wurden vom Markt sehr gut aufgenommen. Geschäftsinhaber Holger Hampel beziffert die Zuschlagssumme (netto) für die Elfenbeinsammlung allein auf rund 1.9 Mio. Euro. Überwiegend private Bieter aus Russland, der Schweiz, Deutschland und anderen Ländern boten sehr engagiert.

Nichts für Weicheier

Faszinierend war ein seltener, deutscher Prachthumpen aus dem 19. Jahrhundert, der mit einer lebendig gestalteten Reiterschlachtszene vermutlich zwischen Darius und Alexander im Jahr (333 bei Issos). Der 40 cm hohe Prachthumpen, den eine Reiterfigur auf dem Deckel bekrönt, wurde in einem Bietgefecht von mehreren Telefonen auf 120.000 Euro (netto) gehoben. Den Zuschlag für den mit 65.000 bis 80.000 Euro taxierten Humpen erhielt ein Bieter aus der französischen Schweiz, der kurz später auch den zweiten, ganz ähnlichen Deckelhumpen mit dem antiken militärischen Thema, ebenfalls für 120.000 Euro, übernahm.

Ein afrikanischer Auftragbieter hatte eine Standleitung

Ein prachtvolles Elfenbeintriptychon mit reichem Steinbesatz, das dem römischen Kaiser Marc Aurel gewidmet ist (Deutschland, 19. Jahrhundert) reüssierte mit 100.000 Euro (Taxe 90.000 bis 120.000). Der Zuschlag ging an einen afrikanischen Telefonbieter, der im Auftrag handelte. Er hatte während der Auktion eine Standleitung und sicherte sich bzw. seinen unbekannten privaten oder öffentlichen Auftraggebern eine ganze Reihe ausgewählter Werke. Er fungierte darüber hinaus auch als wichtiger Unterbieter, wie beim erst genannten Elfenbeinhumpen. Erfolgreich bot er bei der rund 50 cm hohen Standfigur einer badenden Venus und erwarb sie zur unteren Taxe von 100.000 Euro. Die anmutige Figur ist der klassischen Formensprache verpflichtet, elegant ist der Schwung ihrer Hüften, der durch das drapierte Handtuch akzentuiert wird.

Heiliges und göttliches Treiben

Mehr als die dreifache Taxe erzielte mit 85.000 Euro eine große Elfenbeinschale, die in St. Petersburg um 1880 geschnitzt wurde. Im Spiegel des Tellers thront ein Heiliger Michael über dem Satan, eingebettet in opulentes Blattwerk. Eine Augsburger Prunkschale aus dem Ende des 17. Jahrhunderts spielte 80.0000 Euro ein, die doppelte Taxe. Neptun und die Meeresgöttin Thetis sowie ein Putto bilden den Fuß, auf dem eine mit Reliefen geschmückte, teils vergoldete Silberschale thront.

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