Elfenbeinhandel
Stoßzähne unter Polizeischutz versteigert

Der Verkauf von Elfenbein ist stark reglementiert und Chinas Hunger groß. Das französische Auktionshaus Cannes Enchères hat just 42 Stoßzähne an Chinesen versteigert und das Engagement von Aktivisten zu spüren bekommen.
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ParisRohe Elfenbein-Zähne von Elefanten und Robben wirbelten in den vergangenen Monaten in Frankreich viel Wind auf. Sie wurden Anfang März in Cannes beim Versteigerungshaus Cannes Enchères im Rahmen einer Auktion mit naturwissenschaftlichen Objekten und Asiatika an Chinesen versteigert und sind nun auf dem Weg nach Asien.

Besonders die nichtstaatliche Umweltorganisation „Robin des Bois“, übersetzt „Robin Hood“, nahm schon vor der Auktion Anstoß an der Versteigerung und alarmierte das französische Umwelt-Ministerium und dessen Ministerin Ségolène Royal. Denn der Handel mit dem „weißen Gold“ Afrikas, so die Artenschützer, fördert die illegale Elefantenjagd und führt zur Bedrohung dieser Tiere. 

Verkauf und Export von unbearbeiteten Stoßzähnen sowohl von Elefanten als auch von Nashörnern und Robben unterliegen außerhalb aber auch innerhalb der EU strikten gesetzlichen Regelungen. Sie sind noch strenger als die Verordnungen für Antiquitäten aus Elfenbein.

Internationale Basis ist die Washingtoner Artenschutz-Konvention von 1973, kurz CITES (Convention on International Trade in Endangered Speciesof Wild Fauna and Flora) genannt. Seit 1989 gilt ein Moratorium, das den Verkauf von Stoßzähnen erlaubt, wenn sie vor 1976 importiert wurden. In diesem Fall erteilen in Frankreich das Umweltministerium,  in  Deutschland das Bundesamt für Naturschutz entsprechende CITES-Bescheinigungen. Deutschland, Frankreich, England und Schweden haben nach den USA auch das Ausfuhrverbot von unverarbeitetem Elfenbein in außereuropäische Staaten unterzeichnet. Chinesen aber zahlen für das rohe Material Höchstpreise. Da locken gute Umsätze.

Europas Schlupfloch

Cannes Enchères hatte schon 2014 mit einer spektakulären Elfenbeinauktion von sich Reden gemacht. In einer einzigen Auktion hatte es fast eine Tonne  unbearbeiteten Elfenbeins aus angeblichem Besitz französischer Staatsbürger versteigert. Nach den Protesten gegen die jüngste Versteigerung von Cannes Enchères beschloss das französische Umweltministerium  nun Ende Januar, keine weiteren innereuropäischen CITES-Pässe auszustellen.

Cannes Enchères hatte bereits davor die CITES-Papiere erhalten, da die Elfenbein-Lose laut Auskunft des Auktionshauses auch diesmal von französischen Familien stammten, die in Afrika tätig waren. Sie sollen sogar schon vor 1970 importiert worden sein. Doch Europa hat eine andere undichte Stelle. Cannes Enchères fand heraus, dass der belgische Staat das Ausfuhrverbot in Länder außerhalb der EU nicht unterzeichnete.

Der französische Versteigerer wendete sich an die Brüsseler Firma „Art on the Move“. Ihr Geschäft ist die Zollabwicklung von Antiquitäten und Sammelobjekten sowie die Organisation des Exports nach China, wo derzeit enorme Nachfrage besteht und sich die stärksten Aufkäufer des begehrten Rohmaterials befinden. Die daraufhin angesprochene belgische Energie- und Umweltministerin versprach, den Transport von Cannes nach Belgien zu überwachen.

Auktion ohne Zwischenfälle

Der durchaus legalen Versteigerung ging eine mehrstündige Prüfung der angebotenen Ware durch die Zollbehörden voraus. Auf Grund der Proteste von mehreren Nichtregierungsorganisationen und einer Flut von Mails an das Auktionshaus  in Cannes fand die Auktion unter Polizeischutz statt. Es sollten Störungen durch NGOs verhindert werden. Das ist ein Novum im französischen Auktionshandel. Üblicherweise ordern Auktionshäuser in ähnlichen Fällen private Sicherheitsfirmen. Die Auktion fand ohne Zwischenfälle statt.

Wie Alexandre Débussy, Sohn des Versteigerers Nicolas Débussy, dem Handelsblatt unmittelbar nach der Auktion per Mail mitteilte, wurden „42 Elfenbeinzähne versteigert, die 612 Kilogramm wiegen und bei einem Durchschnittspreis von 300 Euro pro Kilogramm 189.000 Euro netto“ erzielten. Dazu kommen 25 Prozent Aufgeld.

Der Bruttopreis beträgt demnach 236.250 Euro. Über den Preis einzelner Stücke sagt das wenig. Im Herbst hatte das Auktionshaus an der Côte d´Azur ein 102,5 Kilogramm schweres Stoßzahn-Paar für 63.000 Euro inklusive Aufgeld abgegeben wurde. Das macht einen Kilopreis von 634 Euro aus. Laut „Robin des Bois“ könne ein Kilogramm Elfenbein in Frankreich bis zu 1.000 Euro pro Kilogramm kosten, in China gar bis 6.000 Euro. 

Empörter Versteigerer

Alexandre Débussy empört sich im Schreiben an das Handelsblatt über die Veröffentlichung der angeblich von der französischen Umweltministerin persönlich angeordneten  Kontrolle durch die Zollbehörde. Auch die Bekanntgabe der Ausfuhrabwicklung über Belgien missfällt ihm. „Werden wir abgehört oder haben sich 'Piraten' unserer Mailbox“ bemächtigt, schrieb der aufgebrachte Unternehmer. Dass sich das Unternehmen  bei seinem Elfenbein-Geschäft nicht so gern in die Karten gucken lässt, belegt auch eine andere Tatsache. Üblicherweise erhält die Presse eine offizielle Liste mit den Preisen der verkauften Objekte. Cannes Enchères hat dem Handelsblatt die einzelnen Ergebnisse nicht  übermittelt.  

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