Elfenbeinkunst
Sensationszuschlag für Madonna mit Kind

6,3 Millionen Euro für eine mittelalterliche Plastik aus Elfenbein ist ein ungewöhnlicher Preis. Die Muttergottes mit Kind, die jetzt in Paris unter den Hammer kam, stammt aus der Kollektion des Kunsthistorikers und Sammlers Marquet de Vasselot.
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Eine mittelalterliche, aus Elfenbein geschnitzte thronende Maria mit Kind hat bei Christie’s in Paris den sensationellen Auktionsrekord von 6,3 Millionen Euro erzielt. Käufer ist der englische Händler Sam Fogg, der im Auftrag eines Kunden bot. Die Schätzung lag zwischen 1 und 2 Millionen Euro.

Schöpfer der Elfenbeingruppe ist ein virtuoser gotischer Pariser Meister. Er schnitzte die rund 38 Zentimeter hohe Muttergottes zwischen 1250 und 1280 aus einem Elefantenzahn. Das Stück stammt aus dem Besitz Jean-Joseph Marquet de Vasselots (1871-1946). Der ehemalige Louvre-Kurator und Direktor des Musée Cluny hatte die Skulptur von seinem Schwiegervater, dem Mittelalter-Sammler Victor Prosper Martin Le Roy (1842-1918) übernommen. Seit der Pariser Weltausstellung 1900 befand sich das Werk in der Familie und war öffentlich nicht mehr zu sehen.

Vorkaufsrecht für den Staat

Insgesamt kamen 24 mittelalterliche Elfenbeinarbeiten unter den Hammer. „In den 1990er-Jahren wurden einige Stücke verkauft, aber es ist das erste Mal, dass ein Konvolut von 24 Objekten auf den Markt kommt“, erklärt die Christie’s Spezialistin Isabelle Degut. Sam Fogg hatte bereits im November 2007 für 4 Millionen Euro ein um 1360 entstandenes Elfenbein-Diptychon für einen Kunden ersteigert. Sotheby’s legte damals einen ähnlichen Schätzpreis zwischen 1,2 bis 2 Millionen Euro fest.

2007 verkaufte Sotheby’s alle 27 Lose und setzte knapp 9,5 Millionen Euro um. Christie’s setzte jetzt 22 von 24 Losen für 9,4 Millionen Euro ab. Aufgrund der neuen Gesetzeslage verhandelte das Auktionshaus von François Pinault im Vorverkauf mit dem französischen Staat, der drei Werke direkt erwarb. Ein viertes Objekt, die aus Elfenbein geschnitzte Schachfigur eines Bischofs, erwarb das Musée Cluny per Vorkaufsrecht für 73.000 Euro während der Sitzung.

Der Sammler als Wissenschaftler

In der Sammlung Marquet de Vasselot befanden sich außerdem mehrere mittelalterliche Bucheinbände, darunter ein byzantinischer Einband aus Konstantinopel aus dem dritten Viertel des 11. Jahrhunderts. Die geschnitzte Deckplatte des Elfenbeineinbands zeigt Christus am Kreuz. Neben ihm stehen Maria und der Evangelist Johannes. Ein US-Sammler erwarb den Bucheinband für 577.000 Euro. Die Sammlung Martin Le Roy wurde 1906 von Marquet de Vasselot unter anderem in fünf Katalogbänden erfasst, bevor Martin Le Roy große Teile dem Musée Cluny schenkte.

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