Elmar Robert Medieval Art
"Ich fühlte mich wie der letzte Mohikaner"

Der Handel mit mittelalterlicher Kunst ist in Deutschland ein einsames Geschäft geworden. Im Rheinland ist er fast ganz verschwunden. Der Kölner Kunsthändler Elmar Robert über den Wandel der Geschäftswelt und alternative Strategien.
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KölnSie bezeichnen sich als den letzten spezialisierten Händler für die mittelalterliche Kunst im Rheinland. Wie kommen Sie dazu?

Elmar Robert: Selbstverständlich gibt es auch im Rheinland noch Händler, die mittelalterliche Kunstwerke verkaufen, neben einer Vielzahl anderer Kunstwerke aus den unterschiedlichsten Epochen. Aber es gibt eben leider niemanden mehr, der sich so spezialisiert hat und den Focus nur auf das Mittelalter richtet, wie ich das in den vergangenen 15 Jahren getan habe. Der letzte auf „Mittelalter pur“ spezialisierte Händler in Köln war Gerd Naescher aus der Gertrudenstrasse, der vor über zehn Jahren seinen Kunsthandel in Köln leider aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Wenn Sie so wollen, bin ich sein Nachfolger.

Warum wandelt sich der Geschmack in Deutschland mehr als in anderen europäischen Ländern? Wir haben doch ausgezeichnete Museen.

In der Tat haben wir mit dem Museum Schnütgen, aber auch mit dem Diözesanmuseum (Kolumba) zwei internationale Museen fürs Mittelalter in Köln. Um alte Kunst aber richtig zu verstehen, braucht man einen Zugang und sicher auch ein gewisses Maß an Bildung. Dies wird leider kaum oder gar nicht mehr vermittelt, vor allem in vielen Bildungseinrichtungen. Insbesondere jungen Menschen fehlt ein gezielter Zugang zur „Alten Kunst“, wenngleich doch viele auf der anderen Seite in dieser von Krisen geschüttelten Welt wieder auf der Suche nach beständigen und althergebrachten Werten sind. Das Mittelalter steht sicher zu einem großen Teil für diese bei vielen abhanden gekommenen „festen Werte“. Vielleicht hat der fehlende Zugang für viele Menschen auch mit den beiden Weltkriegen zu tun, die bei uns vor allem in Deutschland schlimmere Auswirkungen hatten, als in anderen Ländern. Belgien, Frankreich oder auch die Niederlande haben auch heute noch einen anderen Zugang zur „Alten Kunst“. Mein Eindruck ist, dass das Bewahren von Traditionen und Werten in diesen Ländern einen anderen Stellenwert hat als bei uns.

Sie hatten vor neun Jahren schon einmal ein Ladengeschäft in Köln. Warum haben Sie schon nach knapp zwei Jahren wieder zugemacht?

Auf Kundschaft warten, bis jemand sich erbarmt, ihr Geschäft zu betreten, das ist manchmal deprimierend. Ich habe tagelang niemanden zu Gesicht bekommen, fühlte mich nicht ernst genommen und mein Angebot nicht wert geschätzt. Dann begriff ich, dass sich diese ganze Geschäftswelt im Wandel befindet. Man kann heute eigentlich nicht mehr darauf warten, dass jemand kommt; vielleicht in den Kunsthandelszentren Paris, London oder New York, aber nicht mehr in Köln.

Warum haben Sie noch einmal neu angefangen?

Weil mir der Beruf des Kunsthändlers Freude macht, weil ich selber eine große Liebe zu den Objekten habe und mein Geld damit verdiene. Die Menschen, die zu ihnen kommen, spüren, ob Sie das, was Sie tun mit Leidenschaft, Liebe und aus Überzeugung machen. Und dann ist das Verkaufen oder Vermitteln ein Nebenprodukt dessen, was Sie tun.

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Eine Spezialmesse im belgischen Heeze

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