Emilia Romagna
Mal Mathilde, mal Balsamico

In der norditalienischen Emilia Romagna muss man ein wenig intensiver suchen, um historische und kulturelle Kleinode zu entdecken – auch in kulinarischer Hinsicht. Nach dem Vorbild des Agrotourismus kombinieren einige Höfe die kleine, familiäre Herberge mit der Produktion von Feinkost. Eine kulinarische Reise durch die Po-Ebene.

HB. Als ich vor 25 Jahren das erste Mal durch die Po-Ebene fuhr, war hier alles satt und grün, und es gab vereinzelte Bauernhöfe“, erinnert sich ein Italophiler. Und heute?

Dank der weltweiten Nachfrage nach Parmaschinken und Parmesankäse sind aus den einst beschaulichen Bauernhöfen Betriebe für Massentierhaltung geworden. Aber die Emilia, der westliche Teil der Region Emilia Romagna, wartet mit versteckten Reizen auf, etwa mit den Hinterlassenschaften einer gewissen Mathilde, die in der Zeit des Investiturstreites als Vermittlerin zwischen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. eine tragende Rolle spielte.

Im Geschichtsunterricht diesseits der Alpen spielt die gebildete Frau, die sich in der damaligen Männerwelt durchzusetzen wusste, kaum eine Rolle. In Italien hat sie dagegen fast den Status einer Nationalheiligen. Jahr für Jahr pilgern rund 12 000 Anhänger hinauf zu den Überresten der Burgruine von Canossa, ein beschwerlicher Weg. Heinrich IV. wollte sich nach der demütigenden Exkommunikation durch den Papst rächen und führte im Jahr 1092 ein Heer gegen Gräfin Mathilde ins Feld. Schauplatz dieser Schlacht, aus der Mathilde siegreich hervorging, waren die Hügel nördlich der Burg von Canossa.

Mario Bernabei, ein gemütlicher Mann mit Vollbart, ist der wohl glühendste Verehrer Mathildes. Im Pförtnerhaus am alten Burgeingang hat er ein Mathilden-Museum eingerichtet. Wenn Bernabei auf Mathilde zu sprechen kommt, leuchten seine Augen, und seine Stimme nimmt einen dringenderen Ton an.

Trotz seiner Krücke lässt er es sich nicht nehmen, die 70 Meter hoch zum Museum zu humpeln und alles selbst zu erklären. Die Figur sei, so sagt er, historisch gesehen nicht nur äußerst interessant, sondern auch vielschichtig.

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