Ender's Game im Kino
Das genialste Spiel der Literaturgeschichte

18 Jahre nach dem Erscheinen des Buches kommt „Ender’s Game“ ins Kino. Endlich, sagen nicht nur die Fans von Orson Scott Cards Kultwerk: visionäre Science Fiction, in der Harrison Ford brilliert wie lange nicht mehr.
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DüsseldorfWie real ist das Töten, wenn man Zehntausende Kilometer entfernt an einem Joystick sitzt statt im Cockpit eines Düsenjets? Wenn die Grenze zwischen Nervenbahn und Glasfaserkabel verschwindet? Auf diese Fragen, die sich in diesen Jahren der Drohnenkriege und Cyberattacken allzu selbstverständlich stellen, ist Orson Scott Card bereits in den 80er-Jahren gekommen – in seinem Buch „Ender’s Game“.  Es ist eine verrückt-geniale Geschichte über eine Zukunft, von der die Hälfte schon eingetreten ist und wo sich Millionen Leser in aller Welt seit Jahren fragen: Warum nicht auch die andere?

In Deutschland ist „Ender’s Game“ vergleichsweise wenig bekannt. Das wird sich nun ändern, denn der Kult-Roman wird nun sehr buchstabengetreu ins Kino übersetzt. In den USA lechzen Millionen Fans dem Start der Films entgegen, der gerade im zweiten Teil fulminant Fahrt aufnimmt und einen echten Überraschungs-Punch bereithält. Schließlich ist das Buch Pflichtlektüre für US-Marines und gleichzeitig auch bei Linksliberalen geschätzt. Diesen enormen Widerspruch zu überwinden ist eine fast unmögliche Leistung, die Orson Scott Card nicht hoch genug anzurechnen ist.

Der Autor entwirft eine Zukunft, die Angst macht. Gar nicht mal wegen der kriegerisch-aggressiven Außerirdischen, die ein paar Jahrzehnte vorm Start der Handlung die Erde beinahe erobert hätten. Sondern wegen der Gesellschaftsformen an sich. Die Welt des jungen Titelhelden Ender Wiggin ist nicht arm, aber unsäglich brutal und vom dauernden Kriegszustand geprägt. Die Angst hat die Menschen dazu gebracht, sich alles vom Staat vorschreiben zu lassen. Das Militär bekommt üppig Geldmittel und auf der Straße hungern die Kinder. Widerstand entwickelt sich über soziale Netzwerke – eine der Visionen Cards, die eingetreten ist.

Ender Wiggin steht seit dem Kleinkindalter unter staatlicher Beobachtung und wird zum Aspiranten im Ausbildungslager der „Internationalen Flotte“. Der Zwölfjährige empfindet das als großes Glück. Und das, obwohl der Alltag im Bootcamp aus Drill besteht. Systematischer Schlafentzug soll die Kindersoldaten in der Raumstation auf den Ernstfall des Krieges vorbereiten. Sie werden überwacht und von ihren Familien abgeschottet.
Nötig ist das, weil die Erde von Außerirdischen bedroht wird - ameisenähnlichen Wesen, den sogenannten Formics. Der leidgeprüfte Kinogänger erinnert sich an „Starship Troopers“ und der Buchleser könnten erahnen, dass sich Card hier vielleicht bei Robert A. Heinlein etwas abgeguckt hat, der solche Außerirdische in dem gleichnamigen Buch erfunden hat.

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Ausbeutung von jungen Menschen

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Die US-Army freut sich

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  • Die eingeblendete Aufstellung der 15 erfolgreichsten Filme ist zwar interessant. Noch interessanter wäre es aber, wenn die Einnahmen inflationsbereinigt aufgestellt wären, weil andernfalls die jüngeren Filme einen unlauteren Wettbewerbsvorteil im Ranking bekommen.

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