Entartete Kunst: Brisantes Dokument wird öffentlich zugänglich

Entartete Kunst
Brisantes Dokument wird öffentlich zugänglich

1996 erhielt das Victoria & Albert Museum ein aufschlussreiches Geschenk: die einzige vollständig erhaltene Liste der von den Nazis in deutschen Museen konfiszierten „Entarteten Kunst“. Jetzt wird das Schriftstück von dem Londoner Museum online gestellt.
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DüsseldorfWer über die von den Nazis konfiszierte „Entartete Kunst“ forscht, kommt um das Victoria & Albert Museum (V & A) in London nicht herum. Hier wird seit 1996 die einzige erhaltene, vollständige Liste der in deutschen Museen beschlagnahmten „Entarteten Kunst“ aufbewahrt. Das maschinenschriftliche Dokument, das die Londoner Institution seinerzeit von der Witwe des Kunsthändlers Heinrich Robert Fischer geschenkt bekam, konnte bislang nur von Wissenschaftlern eingesehen werden. Nun gab das V & A bekannt, dass sie es in Kürze online stellen wird.

Zusammengestellt wurde die etwas über 16.500 Nummern umfassende Liste vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda. Sie hat 479 Seiten in zwei Bänden, in denen die von der Beschlagnahmung betroffenen Museen nach alphabetisch aufgeführten Orten gelistet sind. Bislang ging man davon aus, dass nur von Band 1 (A-G) zwei Kopien den Krieg überlebt hatten.

Rudimentäre Angaben

Die Angaben zu den einzeln und durchnummerierten Werken einer jeden Institution sind rudimentär. Sie umfassen unter anderem den Nachnamen des Künstlers und einen knapp gefassten Titel, der nach Einschätzung von Andreas Hüneke oft nur nach Augenschein vergeben wurde. Außerdem finden sich Kürzel für die Technik, den Erwerber, für Verkauf oder Zerstörung und vereinzelt auch Preisangaben in Devisen und Reichsmark. Vernichtete Werke sind mit einem „X“ gekennzeichnet.

Der österreichische Kunsthändler Fischer (1903-1977), der 1938 nach Großbritannien geflohen war, gehörte 1946 zu den Mitbegründern der Marlborough Fine Art Galerie. 1947 erhielt er die britische Staatsangehörigkeit. In den frühen 1970er-Jahren gründete er das Unternehmen Fischer Fine Art. Nicht bekannt ist, wie und unter welchen Umständen der Kunsthändler in den Besitz der Liste kam. Das V & A mutmaßt, dass er sie bereits in den späten Sechzigern besaß.

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