Er arbeitete mit fast allen renommierten Kollegen seiner Zeit zusammen
Schauspieler Will Quadflieg gestorben

Der Schauspieler Will Quadflieg ist tot. Er starb bereits am vergangenen Donnerstag im Alter von 89 Jahren, das teilte das Thalia Theater in Hamburg am Mittwoch mit. Die Beisetzung erfolgte bereits im engsten Familienkreis. Der Künstler war als Faust in der Gustaf-Gründgens-Inszenierung von 1957 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg weltberühmt geworden.

HB HAMBURG. Quadflieg, der in Osterholz-Scharmbeck bei Bremen lebte, war einer der großen alten Männer des deutschen Theaters und hat mit fast allen renommierten Kollegen seiner Zeit zusammengearbeitet. Dabei spielte er alle wichtigen Bühnenrollen seines Fachs. Bis an sein Lebensende war der für seine Sprechkultur berühmte Künstler auch als Rezitator aktiv. Im Fernsehen begeisterte Quadflieg, der sich für Umwelt- und Tierschutz engagierte, in dem Vierteiler „Der große Bellheim“ 1993 die Zuschauer.

Sein erstes Engagement erhielt Quadflieg 1933 am Theater seiner rheinländischen Geburtsstadt Oberhausen. Die weitere Bühnenlaufbahn führte über Gießen, Gera und Düsseldorf 1937 an die Berliner Volksbühne und ans Schiller-Theater, wo Heinrich George sein Lehrmeister war. Dort spielte er unter anderem den Mortimer in Schillers „Maria Stuart“, die Titelrolle in der Walter-Felsenstein- Inszenierung von Goethes „Clavigo“ und den Mephisto sowie Faust in Goethes „Urfaust“. Neben der Bühnenarbeit unternahm der gut aussehende Frauenschwarm Abstecher zum Film und war ein gefragter Darsteller in Unterhaltungsfilmen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Quadflieg in Lübeck, baute in Hamburg 1945 die Junge Bühne mit auf und war 1947-1964 am Deutschen Schauspielhaus unter Vertrag. 1952-1959 spielte Quadflieg bei den Salzburger Festspielen alljährlich den „Jedermann“.

Als ein Höhepunkt seiner Theaterlaufbahn gilt die Zusammenarbeit (1956-1962) mit dem Regisseur und Schauspieler Gustaf Gründgens während dessen Intendanz am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Nach Gründgens' Tod 1963 wandte sich Quadflieg mehr dem zeitgenössischen Theater zu. Der Schauspieler geriet aber wegen seiner von der Klassik geprägten Theaterauffassung zeitweise in eine gewisse künstlerische Isolation, aus der ihm erst Mitte der 70er Jahre die Zusammenarbeit mit Regisseur Rudolf Noelte heraushalf. Unter Noeltes Regie avancierte Quadflieg zu einem brillanten Charakterdarsteller auch der gebrochenen Figuren des modernen Theaters.

1981-1984 hatte Quadflieg am Hamburger Thalia Theater wieder ein festes Engagement. Dann dominierten Gastspiele, bis das Thalia Theater in der Intendanz von Jürgen Flimm wieder zur künstlerischen Heimat des Schauspielers wurde. 1989 spielte Quadflieg in Botho Strauß' Stück „Besucher“ im Thalia den alternden Schauspieler Karl Joseph, dem er einige zusätzliche, autobiografisch gefärbte Passagen ins Rollenheft schrieb. In der Hansestadt wurde der Künstler auch gefeiert in Osbornes „Entertainer“ (1991), in der Titelrolle von Flimms „König Lear“-Inszenierung (1992) und als der alte Werle in Flimms Version von Tschechows „Wildente“ (1994/1995). 1999 nahm er in Tschechows „Drei Schwestern“ seinen Abschied von der Bühne.

Quadflieg war seit 1963 in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Margarete Jakobs verheiratet. Mit seinem Sohn Christian, der ebenfalls Schauspieler geworden ist, gastierte Quadflieg in den vergangenen Jahren noch mit dem für die Bühne dramatisierten Briefwechsel zwischen Thomas Mann und dessen Sohn Klaus. Das Thalia Theater wird am 18. Januar mittags zu einer Gedenkstunde einladen.

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