«Er war immer er selbst»
«Ich vermisse Johnny Cash»

Am 12. September jährt sich der Todestag von Johnny Cash. Ab Montag startet Sotheby's die Auktion aus seinem Nachlass. Rick Rubin und Kris Kristofferson gedenken seiner auf ihre Art.

HB BERLIN.

«Stell Dir vor, wie du es isst. Schluck' es runter. Und fühl' es», soll Johnny Cash zu seinem letzten Produzenten Rick Rubin gesagt haben, wenn sie bis kurz vor Cashs Tod gemeinsam das Abendmahl feierten. Nach dem Tode von June Carter Cash hätten sie ein sehr intensives Verhältnis gehabt, erzählte der Produzent der Zeitschrift «Vanity Fair». Sie hätten jeden Tag die heilige Kommunion gefeiert, mit Cash als Priester, der dem eigentlich jüdisch geborenen Rubin die Sakramente gab. Dabei fühle er sich eigentlich keiner der organisierten Religionen zugehörig, so Rubin.

Doch Cash habe immer seinen «Abendmahl»-Kit dabei gehabt, und so hätten die beiden «improvisiert». Häufig hätten sie die Oblate mit einem Keks ersetzt und den Wein mit Traubensaft.

Nach Cashs Tod habe Rubin, der dessen letzte Alben - die «American Recordings» - produziert hat, den Brauch beibehalten. «Ich habe es für ihn getan. Für bestimmt vier, fünf Monate hat es sich exakt genauso angefühlt, als wäre er noch da.» Dann sei er ganz ruhig geworden und habe es Cash sagen hören: «Stell Dir vor, wie du es isst. Schluck' es runter. Und fühl' es.»

Er kommuniziere noch immer mit der Country-Legende, sagt Rubin: «Es wird mit der Zeit schwieriger. Aber ich tue es noch.»

Auch der Musiker und Schauspieler Kris Kristofferson vermisst seinen Freund und Kollegen. «Es ist kaum zu glauben, dass es schon ein Jahr her ist. Es tut noch immer weh, dass er gegangen ist. Ich denke häufig an ihn», zitiert ihn die Nachrichtenagentur AP.

Er kenne niemanden, der Cash auch nur ähneln würde: «Er war immer er selbst. Er ist seinen eigenen Weg gegangen und hat gesagt, was er denkt.» Wohl deshalb hatte Cash immer wieder Ärger mit der Country-Music-Industrie, der er in einer Zeitungsanzeige sogar einmal den ausgestreckten Mittelfinger zeigte.

Fast wie Sakramente würden einige Fans sicher Dinge behandeln, die sie bei der großen Sotheby's-Auktion am kommenden Montag erwerben können. 750 Stücke aus dem Nachlass des Musikers, von ein paar hundert bis zig Tausende Dollar teuer. Gitarren, Schallplatten, ein schwarzer Ford Pick Up, handgeschriebene Songtexte, Grammys, Briefe oder auch ein Folsom-Prison-T-Shirt, das Cash nach seinem berühmten Auftritt von einem Wachmann geschenkt bekam.

Laut Sotheby's haben Cash und seine Frau selbst die Versteigerung in Auftrag gegeben. «Sie wollten einen Weg finden, um einige ihrer Memorabilia und Besiztümer mit der Öffentlichkeit zu teilen», zitieren die «New York Daily News» eine der Direktorinnen des Auktionshauses. So wollten sie «die Bürde, alles behalten zu müssen, von ihrer Familie nehmen».

Pünktlich zum Todestag wird außerdem eine neue Biografie erscheinen, «The Man Called Cash: The Life, Love and Faith of an American Legend». Ein Film über sein Leben ist in Hollywood in Arbeit, «Walk the Line» mit Joaqin Phoenix und Reese Witherspoon, und schließlich steht auch noch das letzte Album der «American Recordings» aus, «American V».

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%