Ermittlungen am Theater
Sonderaufklärer soll Mobbing-Vorwürfen nachgehen

Die einen sehen es als Posse, die anderen als Trauerspiel. Am Darmstädter Staatstheater wurde angeblich kräftig gemobbt, und das auf höchster Ebene. Nun soll ein Sonderaufklärer vermitteln. Die Stimmung ist gereizt.
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DarmstadtNach den Mobbing-Vorwürfen am Staatstheater Darmstadt soll ein Sonderaufklärer die Hintergründe für den eskalierenden Streit an der Bühnen-Spitze prüfen. „Die Stimmung am Theater ist außerordentlich aufgeheizt, von Misstrauen geprägt, von Unterstellungen und Lagerbildung“, sagte Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) am Dienstag in Darmstadt. „Das Verhältnis innerhalb ist schwer gestört.“ Der Kulturpolitiker Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff werde am 21. Dezember als neutraler Aufklärer beginnen. Intendant John Dew und Generalmusikdirektor Constantin Trinks sollen bleiben, müssen sich aber an die Regeln halten.

Dew und Trinks sollen Medienberichten zufolge die Lebensgefährten des jeweils anderen als Sänger abgelehnt haben. Angefangen habe Trinks: Der Lebensgefährte von Dew, Tenor Sven Ehrke, sei bei einer „Rheingold“-Inszenierung nicht zum Zuge gekommen. Daraufhin habe der Intendant sauer reagiert und als Retourkutsche gezielt die Lebensgefährtin von Trinks, die Sopranistin Alexandra Lubchansky, gemobbt.

„Die Vorwürfe sind zum Teil nicht immer greifbar“, sagte Kühne-Hörmann. Lubchanskys Anwalt: „Ich bin mir sicher, dass der Sonderprüfer die Vorwürfe bestätigen wird.“ Auch das Staatstheater reagierte. „Wir hoffen, dass Klarheit geschaffen wird“, sagte Sprecherin Katharina Weber.

Intendant und Generalmusikdirektor seien bis August 2014 vertraglich an das Staatstheater gebunden, sagte die Ministerin. „Ich erkläre für das Land, dass sie ihre Arbeit fortsetzen mögen.“ Mit dem Streit müsse aber Schluss sein. Er habe die künstlerische Leistung in den Hintergrund gedrängt. „Das kann nicht im Interesse des Landes sein“, sagte Kühne-Hörmann. „Wir werden diesen Zustand nicht hinnehmen.“ Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) warnte zudem: „Falls es notwendig sein wird, werden wir den Weg auch anders beschreiten.“

Sie setze auf einen konstruktiven Dialog, sagte die Ministerin. „Mir hat keiner der beiden erklärt, dass er mit dem anderen nicht mehr arbeiten kann.“ Es gebe aber Grenzen. Vertragliche Vereinbarungen müssten eingehalten werden. Das sei nicht immer der Fall gewesen.

In einer Erklärung schreibt Intendant Dew: „Ich erkläre des Weiteren, dass ich es in der Vergangenheit nicht immer vermocht habe, zu jeder Besetzungsfrage das vertraglich zugesicherte Benehmen mit dem Generalmusikdirektor herzustellen.“ Trinks arbeite zu oft woanders, habe zu viele Gastdirigate, sagte Kühne-Hörmann. Das müsse geklärt werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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