Ernst Fuchs mit 85 gestorben
Vom Wunderkind zum Universalkünstler

Seine bunten Bilderwelten haben die einen begeistert, die anderen befremdet. Ernst Fuchs hat mit seiner surrealistischen Kunst polarisiert. Sein liebster Titel war „Malerfürst“. Nun starb er im Alter von 85.

WienDer österreichische Maler Ernst Fuchs, bekannt für seine bunten surrealen Bilderwelten, ist im Alter von 85 Jahren in Wien gestorben. Das bestätigte die Direktorin des Ernst-Fuchs-Museums, Cornelia Mensdorff-Pouilly, der Deutschen Presse-Agentur. Fuchs, der schon früh als zeichnerisches Wunderkind galt, war Mitbegründer der Wiener Schule des „Phantastischen Realismus“. Berühmt wurde er in den 1960er Jahren mit Traumlandschaften und Visionen über Eros und Mythos, Tod und Liebe, Religion und Sex. Rund 500 bedeutende Ölbilder und ebenso viele Radierungen sowie Original-Lithografien sind das Lebenswerk von Fuchs.

Die Resonanz auf sein Werk schwankte zwischen Bewunderung und Ablehnung. Österreichs Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) würdigte Fuchs als „Universalkünstler, wie er im Buche steht“. „Er brillierte in unterschiedlichen Bereichen, als Maler, Bühnenbildner, Architekt und Grafiker sowie als Komponist und Schriftsteller“, sagte Ostermayer laut Pressemitteilung.

Der Künstler, der sich gern als „Malerfürst“ bezeichnen ließ, war bekannt für seine teils theatralische Selbstinszenierung. Seine Markenzeichen waren eine selbstentworfene Brokatkappe und ein rötlich schimmernder Bart. Auch sein Privatleben wies nicht alltägliche Merkmale auf. So zeugte er nicht weniger als 16 Kinder mit sieben Frauen.

Fuchs galt als Wunderkind, das wie besessen zeichnete. Schon mit 15 Jahren besuchte er die Akademie der Bildenden Künste in Wien. Nach seiner Ausbildung ging der Sohn eines jüdischen Altwarenhändlers und einer katholischen Näherin nach Paris. Die Begegnung mit dem Surrealisten Salvador Dalí ebnete dem jungen Mann aus Österreich den Weg zum Erfolg. Der Spanier förderte Fuchs, der in altmeisterlicher Eitempera-Technik feinste Madonnen-Bilder schuf und sich im Aquarell „Der Auferstandene“ (1956) als Jesus porträtierte. Religion spielte von Anfang an eine wichtige Rolle im Leben des Einzelkinds.

Fuchs, dessen Werke dem Surrealismus und Manierismus zuzuordnen sind, war nach den Worten des französischen Kunstkritikers Marcel Brion der „Chronist unbekannter Welten“. 1996 wurde in goldenem Einband eine 1680 Seiten starke Bilderbibel publiziert, die Fuchs illustriert hat.

Über die Malerei hinaus war der Wiener aber auch Architekt, Komponist, Bühnenbildner, Buchautor, Philosoph. So erarbeitete er sich den Ruf als Universalkünstler. Aus den 1970er Jahren stammen zahlreiche Skulpturen sowie Opernausstattungen, etwa für „Parsifal“ und „Die Zauberflöte“ in Hamburg und für den „Lohengrin“ in München.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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