Eurovision Song Contest
Ein bisschen Skandal, ein bisschen Sensation

Russland wird ausgebuht. Die Konzerthalle in Kopenhagen ist um Millionen teurer als gedacht. Und Ralph Siegel zieht mit San Marino ins Finale ein: Merkwürdiges und Überraschendes von Europas größtem Musikwettbewerb.
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KopenhagenMit dem bisschen Frieden ist es in Kopenhagen vorbei: Die Ukraine-Krise hält Einzug bei Europas größtem Musik-Wettstreit. Offenbar hat Nikolaj Koppel geahnt, dass jetzt etwas Unerfreuliches passiert. Der sonst so lockere Moderator beißt sich auf die Lippen und holt kurz Luft, bevor er Russlands Finaleinzug beim Eurovision Song Contest (ESC) verkündet. „Next Country is Russia - La Russie.“ Jubel, Trubel, Heiterkeit im Publikum. Die blonden Zwillinge Anastasia and Maria Tolmatschewy hopsen vor Freude. Dann die Wende.

Buhrufe und Pfiffe dominieren sehr lang wirkende zehn Sekunden die Stimmung im Saal und vor Millionen TV-Bildschirmen in Europa. Co-Moderator Pilou Asbæk versucht erst, die Proteste wegzulächeln. Dann sagt er sanft, aber energisch: „Wir gehen dann zum vierten Land über.“ Der Vorfall vom Dienstagabend zeigt, dass die Weltpolitik nicht vor dem Fest der Freude haltmacht.

Und nach der politischen Situation in ihrem Heimatland gefragt sagte die Ukrainerin Maria Yaremchuk („Tick-Tock“) nach der Show: „Alles was ich hier mache, mache ich für die Menschen in der Ukraine. Ich stehe nicht allein auf der Bühne. Hinter mir auf der Bühne stehen 46 Millionen Ukrainer.“ Ihre Hauptbotschaft sei aber: „Es gibt so viele Dinge, die wichtiger sind als Politik.“ Eurovision sei der beste Weg, Menschen zu vereinen - „durch die Musik“.

Einen kleinen Finanzskandal beschert der ESC seinem Gastgeber Kopenhagen. Denn der Umbau der B&W-Hallen für die Schlagershow wird voraussichtlich deutlich teurer als geplant und koste jetzt schon mindestens 22,8 Millionen dänische Kronen (rund drei Millionen Euro) mehr als zunächst veranschlagt, berichtete die Kulturredaktion von Danmarks Radio (DR). Der öffentlich-rechtliche Sender DR richtet den ESC 2014 aus. Für die Finanzierung des Hallenumbaus ist jedoch eine Projektgesellschaft zuständig, die unter anderem von der Stadt unterhalten wird.

Die zusätzlichen Ausgaben seien für die Errichtung des Dachs, erhöhte Sicherheitsvorkehrungen und Arbeiten an Strom, Sanitär-Anlagen und Lüftung angefallen. Um das Loch zu füllen, sei Danmarks Radio kurzfristig eingesprungen, berichtete die DR-Kulturredaktion weiter.

Der DR-Finanzvorstand machte dem Sender gegenüber aber keine Angaben zur Höhe des Fehlbetrags. Die angeblich in einem „vertraulichen Papier“ der Hauptstadtregion genannte Summe von 22,8 Millionen dänische Kronen zitierten die DR-Journalisten aus einem Bericht der Zeitung „Metroxpress“. Die Projektgesellschaft Host City Copenhagen war für eine Stellungnahme am Dienstag zunächst nicht zu erreichen.

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