Eurovision Song Contest
Ein klein bisschen Frieden

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Weitere Überraschung: Mehrere Favoriten sind schon draußen, bevor es überhaupt richtig angefangen hat. Rausgeflogen sind unter anderem Norwegen („Haba Haba“), Armenien („Boom Boom“) und auch die Türkei. Mancher Experte fasst dies als persönliche Beleidigung auf und schimpft jetzt auf die Kulturlosigkeit von Juroren und Zuschauern, die je zur Hälfte entschieden hatten, wer weiterkommt.

Eine gute Figur machten die Schweizerin Anna Rossinelli mit einem Stück handgemachter Musik und die Serbin Nina, die es wagte, in ihrer eigenen Sprache statt auf Englisch zu singen. Der Finne Axel Ehnström alias Paradise Oskar, der mit seiner Gitarre und einem Hemd aus recycelten Altkleidern wie eine „männliche Nicole“ (Grand-Prix-Experte Jan Feddersen) rüberkam, wusste die Düsseldorfer Arena zu begeistern. Den Einzug ins Finale schafften außerdem Litauen, Griechenland, Aserbaidschan, Georgien, Ungarn, Russland und Island.

Ruhige Töne wurden dabei meist vergeblich gesucht, die meisten Nummern gingen ein hohes Tempo. Litauen holte mit einer Extraportion Schmalz und Pomp viele Stimmen, die finnische Version von James Blunt überzeugte mit seiner ruhigen Ballade. Ein Anhaltspunkt, dass die deutsche Entscheidung, Lena nicht die Ballade „Push Forward“ singen zu lassen, richtig gewesen sein dürfte. Georgien ließ es dafür richtig krachen, schaffte es mit schwerem Rock überraschend ins Finale. Der Türkei war dies mit ähnlichem Konzept nicht geglückt. Überraschend auch, dass Island trotz ansprechender Darbietung und rührender Hintergrundgeschichte bis zuletzt um den Einzug ins Finale bangen musste.

Die Gute-Laune-Nummer „Coming Home“ der Gruppe Sigurjón’s Friends ist dem Songwriter gewidmet, der kurz vor der Endausscheidung überraschend verstarb. Sigurjón Brink sollte den Song sogar selbst vortragen - das übernehmen nun seine Musikkollegen. Und die Komposition fällt zwischen einigen arg plastisch wirkenden Stücken zumindest auf. Apropos auffällig: zahlreiche Stücke der weitgehend unbekannten Interpreten erinnern an berühmte Vorbilder.

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