Ex-McKinsey-Chef Henzler singt ein Loblied auf den gesunden Menschenverstand in der Unternehmensführung
Bauernregeln für deutsche Manager

Er gehört zweifellos zu den dicksten Spinnen im Netz der Deutschland AG. Herbert Henzler, einst Europachef der Unternehmensberatung McKinsey und heute als Berater dem Schweizer Geldhaus Credit Suisse zu Diensten, ist ein begnadeter Netzwerker. Egal ob Linde-Chef Wolfgang Reitzle, Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer oder der Ex-Politiker und heutige Merrill-Lynch-Banker Lothar Späth - sie alle zählt der drahtige 63-Jährige zu seinen engen Freunden.

HB FRANKFURT.Fast schon legendär ist der von Henzler gegründete Kletterclub der "Similauner". Seit elf Jahren trifft sich die Gruppe von mittlerweile 14 Topmanagern regelmäßig im Sommer am Fuße eines Alpengipfels. Benannt haben sie sich nach dem Dreitausender in den Ötztaler Alpen, der einst die Gletschermumie "Ötzi" freigegeben hatte. Zum elitären Kletter-Kreis gehören Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel, Verleger Hubert Burda und Georg Kofler, Chef von Premiere.

Henzler kennt die deutschen Unternehmer, und er kennt die deutschen Unternehmen - in seinen 20 Jahren in Spitzenpositionen für McKinsey hat er genau hingeschaut. Seine Beobachtungen hat er nun aufgeschrieben und unter dem eigenwilligen Titel "Das Auge des Bauern macht die Kühe fett" veröffentlicht. Wahrscheinlich gestattet sich Henzler eine kleine Reminiszenz an seine Jugend im schwäbischenNeckarhausen, wo sein Vater nicht nur Mechaniker, sondern im Nebenberuf auch Landwirt war.

Für das Werk eines langjährigen Unternehmensberaters fällt das Managementhandbuch jedenfalls erfrischend pragmatisch aus. Nur fünf Diagramme auf 227 Seiten - zur Klasse der "Kästchenmaler" zählt der McKinsey-Mann jedenfalls nicht. Im Gegenteil: "Wer zwischen den Zeilen den ein oder anderen kleinen Seitenhieb auf unsere Zunft entdeckt, liegt sicher nicht falsch", sagt der Berater. Großartige Konzepte und Theorien sucht man in Henzlers Buch also vergebens; stattdessen plaudert der Berater anekdotenreich aus dem Schatzkästlein seiner Erfahrung.

"Management by Common Sense" könnte man diese Methode nennen. Man könnte auch sagen, "das Auge des Bauern" steckt voller Bauernregeln für Unternehmer. Henzlers gesammelte Managementweisheiten fallen einfach aus, manche auch simpel. In kurzen Kapiteln geißelt er beispielsweise die Versammlungs- und Gremiensucht in deutschen Unternehmen oder prangert den Aktionismus an, der oft gerade dann ausbricht, wenn die geistige Windstille am größten ist. Einige Themen bürstet der Credit-Suisse-Berater kräftig gegen den Strich. Wann hat man schon einmal einen Unternehmensberater höhere Löhne fordern hören. Doch für Henzler ist die Sache klar: "If you pay peanuts you get monkeys" - wer schlecht bezahlt, bekommt auch schlechte Leistungen von seinen Mitarbeitern.

Man kann Henzler übrigens nicht vorwerfen, dass er seine eigenen Weisheiten in Sachen Mikromanagement selber nicht beherzigen würde. Als vor kurzem ein Besuch in Frankfurt anstand, war gerade die Internationale Automobilausstellung angelaufen - entsprechend überteuert waren die Hotelzimmer. Der Credit-Suisse-Berater weigerte sich, in eine der Nobelherbergen einzuziehen. Stattdessen verband er das Angenehme mit dem Nützlichen und stattete seinem langjährigen Freund, Linde-Vorstandschef Wolfgang Reitzle, einen Freundschaftsbesuch ab. "Das war unterhaltsam, bequem und vor allem gratis", freut sich der Schwabe Henzler.

Herbert Henzler: Das Auge des Bauern macht die Kühe fett - Ein Plädoyer für Verantwortung und echtes Unternehmertum. Hanser Verlag 2005, 227 Seiten, 19,90 Euro

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