Ex-Spiegel-Chefredakteur
Erich Böhme ist verstorben

Die deutsche Medienlandschaft hat eine ihrer großen Persönlichkeiten verloren. Erich Böhme, ehemaliger Chefredakteur des "Spiegels", verstarb am Samstag im Alter von 79 Jahren in Hamburg. Berühmtheit erlangte der Journalist besonders im Herbst seine Karriere als Moderator der Talkshow "Talk im Turm".
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HB HAMBURG. Der Journalist und Moderator Erich Böhme ist tot. Der langjährige Chefredakteur des "Spiegels" starb am Samstag im Alter von 79 Jahren, wie das Hamburger Nachrichtenmagazin unter Berufung auf seine Familie meldete. Bei einem breiteren Publikum populär wurde der in Frankfurt am Main geborene Publizist vor allem als Moderator der Sat.1-Fernsehsendung "Talk im Turm" in den 1990er Jahren.

"Der Spiegel trauert um einen ganz besonderen Kollegen", heißt es auf der Homepage des Nachrichtenmagazins. "Mit Erich Böhme verlieren wir einen herausragenden Journalisten, einen großartigen Kollegen, einen wunderbaren Menschen. Wir beim Spiegel haben ihm so viel zu verdanken. Wir werden ihn vermissen", erklärten die heutigen Chefredakteure Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron. Als Nachfolger von Günter Gaus hatte Böhme 1973 bis Ende 1989 fast 17 Jahre lang an der Redaktionsspitze des "Spiegels" gestanden.

Böhme wurde am 8. Februar 1930 in Frankfurt geboren, schloss sein Studium als Diplom-Volkswirt ab und wurde Journalist. Nach dem Volontariat und einigen Jahren als Redakteur bei den "Vereinigten Wirtschaftsdiensten" und der "Deutschen Zeitung" kam er 1958 auf Empfehlung von Gaus zum "Spiegel". Dort arbeitete Böhme zunächst als Wirtschaftskorrespondent in Bonn. 1969 übernahm er schließlich die Leitung des Bonner "Spiegel"-Büros. Vier Jahre später wurde er als Nachfolger von Gaus Chefredakteur.



Nach Meinungsverschiedenheiten mit Herausgeber Rudolf Augstein schied Böhme schließlich 1989 nach über 30 Jahren aus der Redaktion des Nachrichtenmagazins aus. Ein Jahr später wurde er Herausgeber der "Berliner Zeitung", für die er auch nach seinem Abschied von dieser Position 1994 weiter als Kolumnist tätig war.

In seiner zweiten Karriere als Fernsehjournalist moderierte Böhme von 1990 bis 1998 die wöchentliche Gesprächssendung "Talk im Turm" auf Sat.1. Mit seiner regelmäßig um die Finger geschwungenen Brille wurde er dabei zu einem Markenzeichen politischer Talkshows. Dem Abschied nach 393 Sendungen folgte noch die Moderation einer weiteren Talksendung beim Sender N-TV, bis sich Böhme nach der Bundestagswahl 2002 ins Privatleben zurückzog.

Als Höhepunkt seiner Karriere nannte Böhme selbst die Enthüllungen im Fall des CDU-Politikers Uwe Barschel. 1987 erschienen unter Böhmes Verantwortung die Enthüllungen des Kieler Medienreferenten Reiner Pfeiffer über die Manipulationen des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten während des Landtagswahlkampfs. Barschel trat schließlich zurück und beging später vermutlich Selbstmord in einem Genfer Hotel.

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  • Letzte Ehre,

    Treu und einfach war dein Leben,
    fleißig, gütig deine Hand.
    Alles hast du uns gegeben,
    ruhe sanft und habe Dank.

    Mein beileid an Familienangehörigen

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