Existiert er wirklich? Der ominöse „Oscar-Fluch“?
Mühlstein um den Hals

Mit dem Oscar kam der Abstieg: Viele Hollywood-Stars hatten kein Glück mit der berühmten Trophäe.

Geena Davis glaubt fest daran. Cuba Gooding jr. sowieso. Und selbst Halle Berry meint, da könnte etwas dran sein. Existiert er wirklich? Der ominöse „Oscar-Fluch“? All diese Hollywood-Stars haben eine der kleinen Goldstatuen zu Hause auf dem Kaminsims stehen. Ihren Karrieren freilich hat der Gewinn der Trophäe, die am 27. Februar in Los Angeles verliehen wird, eher geschadet.

Davis, Gooding jr. und auch Berry taumeln seit einiger Zeit in eher schlechten denn rechten Filmen über die Leinwand. Große Rollen sind nicht in Sicht. Die Liste der „vergessenen Oscar-Champions“ lässt sich mühelos fortsetzen: Helen Hunt, Roberto Benigni, Whoopi Goldberg, selbst Gwyneth Paltrow.

In Hollywood sind sie längst zu Ersatzspielern degradiert. Helen Hunt – sie gewann 1997 in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ einen Oscar für den Film „As Good as it Gets“ – hing das Filmemachen ganz an den Nagel und tauschte es gegen das Mutterdasein ein. Gwyneth Paltrow sagt zum Gewinn ihres Oscars, den sie für „Shakespeare in Love“ erhielt: „Ich wurde über Nacht zu der Schauspielerin, die keiner mehr sehen wollte.“

Warum aber jagt die Hollywood-Prominenz von Clint Eastwood bis Julia Roberts dem goldenen Männchen dennoch jedes Jahr hinterher? Wieso geben Filmstudios Millionen von Dollar aus, um Stars und Filme zur Nominierung für einen Academy Award zu treiben?

Randy Nelson, Professor für Betriebswirtschaft am Colby College in Maine, hat versucht, einen Oscar-Gewinn zu quantifizieren. In einer Studie fand er heraus, dass allein die Nominierung in der Kategorie „Bester Film“ im Durchschnitt zusätzliche 5,5 Millionen Dollar Umsatz pro Woche an der Kinokasse bringt.

Gewinnt der Film, geht der Geldsegen noch weiter. „Das bringt weitere 14,7 Millionen Dollar an Kinokarten-Umsatz pro Woche“, so Nelson. Das Branchenblatt „Variety“ schätzt sogar, dass ein Oscar-Film zusätzliche 28 Millionen Dollar Umsatz einfährt.

Ein gutes Beispiel dafür liefert „Shakespeare in Love“. Ursprünglich hatte der Streifen 36,2 Millionen Dollar Umsatz gebracht. Nach den 13 Nominierungen und dem Gewinn für den besten Film stieg der Kinoumsatz auf mehr als 100 Millionen Dollar. Die Erklärung ist ganz einfach: „Die Leute glauben, dass sie den Film sehen müssen, weil er einen Oscar gewonnen hat“, sagt Nelson.

Der Fluch scheint also für die Studios und die TV-Sender nicht zu gelten. Kein Wunder also, dass der US-Fernsehsender ABC, eine Disney-Tochter, es sich rund 20 Millionen Dollar kosten lässt, die dreistündige Show auf seinen zehn Schwester-Sendern übertragen zu dürfen. Rund 80 Millionen Amerikaner werden am 27. Februar wieder einschalten, wenn Martin Scorsese, Clint Eastwood, Hilary Swank und Leonardo DiCaprio um die begehrte Trophäe buhlen.

Seite 1:

Mühlstein um den Hals

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%