EXPO Chicago: Der Magnet in der Mitte

EXPO Chicago
Der Magnet in der Mitte

Seit drei Jahren profiliert sich die EXPO Chicago als wichtiger Marktplatz im Mittleren Westen der USA. Die Aussteller hoffen auf den Zuspruch von Sammlern aus den nord- und südamerikanischen Ländern. Ob die lokale Kaufkraft ausreicht, ist nicht gewiss.

ChicagoChicago wirkt auf Großgalerien wie ein Magnet. Obwohl aktuell Los Angeles als neuester Hot Spot der Kunstwelt gehandelt wird, beehrt sie zunehmend die "EXPO Chicago". Der in den 1980er-Jahren so wichtige Marktplatz im Mittleren Westen hat in den letzten drei Jahren unter Direktor und Miteigentümer Tony Karman eine Renaissance erfahren. In diesem Jahr finden sich unter den 130 Ausstellern am malerischen Navy Pier so klingende bis schillernde Namen wie Pearl Lam (Hongkong), Daniel Templon (Paris) oder White Cube (London) Sie gesellen sich zu den Powersellern Lisson (London), Matthew Marks (New York, Los Angeles) oder David Zwirner (New York).

John Corbett ist mit der Galerie Corbett vs. Dempsey Lokalmatador. Er hofft, dass die Achtungserfolge der letzten beiden Ausgaben mehr Sammler und Kuratoren von der Ost- und der Westküste nach Chicago locken. Die lokale Kaufkraft könnte dann vielleicht doch nicht ausreichen für das Aufgebot schwergewichtiger Galerien in diesem Jahr.

Sammlertradition im mittleren Westen

André Buchmann aus Berlin ist zum ersten Mal dabei. Ihn reizt die hohe Dichte an hochkarätigen Sammlungen und vor allem das riesige Hinterland des Mittelwestens. Unter anderem mit kleineren Skulpturen von Tony Cragg mit Preisen von einer Viertelmillion Euro hofft er, das passende Material dabeizuhaben. Für Jan Wentrup aus Berlin ist es ebenfalls eine Premiere. Die gleichzeitig stattfindende abc seiner Heimatstadt scheint für ihn zumindest wirtschaftlich weniger attraktiv zu sein. „Wir nehmen hier teil, weil die große Tradition Chicagos seit den 1980er-Jahren von großen Sammlern und einer darauf aufbauenden neuen Generation von Sammlern interessant ist“, erklärt er. Einige kenne er bereits von seinen sonstigen Aktivitäten in Amerika. „Zum Teil kommen die Sammler auch nach New York oder Miami, aber sie schätzen es sehr, wenn man in ihr Umfeld kommt. Und man darf die tolle Anbindung an die Institutionen nicht vergessen.“

Folgen eines Generationswechsels

Isabella Bortolozzi ist Jury-Mitglied und zum dritten Mal auf der Messe. Sie hält den Marktplatz offensichtlich für stark genug, um ihre trockene Einzelpräsentation der vogelscheuchenartigen Skulpturen von Jos De Gruyter und Harald Thys zu verkraften (Preise werden offiziell nicht genannt.). Sie hält die Sammlerszene für lebendiger als die in New York. Ein Generationenwechsel in den Institutionen findet ihr zufolge seine Entsprechung bei den privaten Sammlern. Die aktuelle Ausstellung des Künstlerduos im örtlichen Museum of Contemporary Art dürfte ebenfalls verkaufsfördernd wirken.

Leo König von Clinton and Koenig geht zuversichtlich an sein Debüt in Chicago heran. Er vertritt exklusiv zwei deutsche Künstler, von deren eher trockenen Positionen er sich viel verspricht: Ulrich Rückriem, der mit einigen Bodenskulpturen vertreten ist, und Peter Dreher, dessen über Jahre angefertigte serielle Stillleben von Gläsern mittlerweile weltweit erfolgreich sind. Waren die Kleinformate noch für um 1.000 Euro zu haben, als sie vor einigen Jahren erstmals von einer deutschen Galerie angeboten wurden, kosten sie inzwischen 7.000 Dollar. Die Nachfrage sei trotzdem riesig, so König. Auf dem Papier ist sogar sein Bruder Johann mit von der Partie. Der hat allerdings nur Arbeiten geschickt.

Seite 1:

Der Magnet in der Mitte

Seite 2:

Rheinische Galerien fehlen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%