Expo1: New York

Künstlerisches Überlebenstraining

In New York entwickeln Künstler Strategien für das Leben unter den Bedingungen der Katastrophe. Der Autokonzern Volkswagen hat Ausstellung und Workshops möglich gemacht.
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Agnes Denes: "Wheatfield – A Confrontation: Battery Park Landfill, Downtown Manhattan", 1982. Farbfotografie. (Ausschnitt) Quelle: Agnes Denes. Courtesy Leslie Tonkonow Artworks + Projects, New Y

Agnes Denes: "Wheatfield – A Confrontation: Battery Park Landfill, Downtown Manhattan", 1982. Farbfotografie. (Ausschnitt)

(Foto: Agnes Denes. Courtesy Leslie Tonkonow Artworks + Projects, New Y)

New YorkAltmodische Campingwagen und einfache Versorgungshütten hat das argentinische Architektenduo a77 aus recycelten Materialien zerstörter Häuser zusammengehämmert. Sie drängen sich wie Schutz suchend im Hof des Museums MoMA PS1 in Queens. Diese primitive Siedlung  ist als „EXPO Colony“ ein Herzstück der umfangreichen Ausstellung „Expo 1:New York“ www.momaps1.org. Sie läuft zwar bereits seit Mai, aber erst jetzt, Ende Juni, ist die Siedlung bezugsfertig. Eine Handvoll Freiwilliger soll hier leben und am eigenen Leib erfahren, wie Wohnen in einer von Naturkatastrophen und ökonomischer Unsicherheit geprägten Zukunft aussehen könnte.

Steve McQueen: "Static", 2009, 35mm-Farbfilm auf HD, Ton, 7 Min., 3 Sek. (Ausschnitt) Quelle: Courtesy of the artist and Marian Goodman Gallery, New York/Pari

Steve McQueen: "Static", 2009, 35mm-Farbfilm auf HD, Ton, 7 Min., 3 Sek. (Ausschnitt)

(Foto: Courtesy of the artist and Marian Goodman Gallery, New York/Pari)

Die Ausstellung verdankt ihr Entstehen nicht zuletzt einer Katastrophe: Supersturm Sandy radierte im letzten Oktober ganze Küstenstriche im Osten der USA aus und versetzte selbst wohlhabende Teile Manhattans, die tagelang ohne Strom auskommen mussten, in postapokalyptische Stimmung. „Expo 1: New York“ will sich den ökologischen Herausforderungen stellen. In „EXPO School“ spekulieren Künstler, Autoren, Technologen, Ökonomen, Akademiker und Umweltschützer in täglichen Seminaren und Vorträgen über eine hoffentlich bessere Zukunft. Schutzpatron ist Joseph Beuys, dessen Film „Ausfegen“ von 1972  als Beispiel dafür gezeigt wird, wie Idealismus mit pragmatischem Handeln verbunden werden kann.

Pessimistische Visionen

Eine Ausstellung rund um Themen der Ökologie nimmt die drei Etagen der weitläufigen ehemaligen Schule PS1 ein. Die meisten Installationen, Bilder, Skulpturen und Filme der 35 Künstler sind von pessimistischen Visionen einer bedrohten Umwelt, Vergänglichkeit und Tod geprägt. Gordon Matta-Clark bot schon 1972 mit dem funktionsfähigen Zweisitzer „Fresh Air Cart“ (1972) saubere Atemluft an Wall Street an. Im selben Raum hängen Fotos von Agnes Denes‘ bekanntester und immer noch anrührender Installation „Wheatfield – A Confrontation“. Sie hatte 1982 im Schatten des World Trade Center auf fast einem Hektar aufgeschütteten Geländes Weizen ausgesät und geerntet. Später wurde darauf der riesige Apartmentkomplex Battery Park City gebaut.

Bedrohlicher Gentransfer
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