Extremismus
Verstümmelte Menschlichkeit

Was führt junge Männer und Frauen in den Extremismus? Schriftsteller suchen nach Antworten. Doch lassen sich für das, was die Vorstellungskraft übersteigt, angemessene Worte finden?

DÜSSELDORF. Ein Satz nur, ein einziger Satz, der das Leben verändert: "Nach den ersten Untersuchungsergebnissen weist die Art der Verstümmelung Ihrer Frau die typischen Verletzungen fundamentalistischer Selbstmordattentäter auf." Fortan steht das kleine, intakte Leben von Amin Jaafari Kopf und seine Existenz in Frage.

In seinem jüngsten Buch "Die Attentäterin" beschreibt Yasmina Khadra eindringlich die Stationen eines im Inneren tief verletzten und geschockten Menschen - vom Nichtwahrhabenwollen über Trauer und Verzweiflung bis zur Anerkennung des nüchternen Fakts. Erst mit ihr kann die Verarbeitung des Geschehens beginnen. Und mit ihr wächst Amins Wut. Auf seine Frau. Auf die Hintermänner. Auf sich selbst. "Hätte ich nicht erkennen müssen, welchen verhängnisvollen Weg Sihan einschlägt?" fragt er sich. Hätte ihre Tat, sich in einem Restaurant unter Kindern und Jugendlichen in die Luft zu sprengen, verhindert werden können? Was bewegte Sihan? Es sind die Fragen, die sich Europa angesichts der Entwicklungen im Nahen Osten und weltweiter Attentate von Extremisten stellt. Und die Antworten?

In diesem Herbst suchen neben Khadra zwei weitere Autoren danach: John Updike mit "Terrorist" und der Inder Kiran Nagarkar mit "Gottes kleiner Krieger". Doch lassen sich für das, was die Vorstellungskraft übersteigt, angemessene Worte finden?

Khadras Protagonisten, Amin Jaafari und seine Frau Sihem, leben in Tel Aviv. Sie sind arabischer Herkunft, besitzen aber israelische Pässe. Als anerkannter Chirurg hat es Amin zu Wohlstand gebracht, er verkehrt in den besten israelischen Kreisen und ist stolz darauf, all das erreicht zu haben - obwohl er Araber ist. Was also trieb seine Gattin in den Selbstmord?

Bei seinen Nachforschungen in Bethlehem und Dschenin wirbelt Amin gehörig Staub auf. Palästinensische Widerstandskämpfer wittern in ihm einen Kollaborateur, der mit dem israelischen Geheimdienst gemeinsame Sache macht. Seine Verwandtschaft mahnt ihn, sich aus Dingen herauszuhalten, die ihn nichts angehen. Doch Amin will nur eines: mit den Hintermännern des Anschlags sprechen, um die Tat seiner Frau zu verstehen.

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