Fabius Frères
Das Ende einer Galeristendynastie

Elegante Möbel, kaiserliches Porzellan und vor allem Werke der besten Bildhauer des 19. Jahrhunderts verkaufte die Galerie Fabius Frères an Museen und Banker. Jetzt lösen Sotheby’s und Piasa das in Generationen gefüllte Lager auf.
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ParisIn Deutschland assoziieren die meisten Menschen Frankreichs Ex-Premierminister Laurent Fabius, wenn sie den Namen Fabius hören. Franzosen mit Geschmack hingegen wissen, dass es sich um eine einflussreiche Kunsthändler-Dynastie handelt. Eine, die die Geschmacksgeschichte mitgeschrieben hat.

„Seit mehr als 135 Jahren ist der Name Fabius mit dem Pariser und internationalen Kunstmarkt verbunden“, schreibt Armelle Fabius, die Witwe des mit 65 Jahren verstorbenen Antiquitätenhändlers François Fabius (1944-2006) im Vorwort des Auktionskatalogs von Sotheby's. Die seit 1882 über vier Generationen aktive Händler-Dynastie Fabius setzt mit der Auktion, die Sotheby's und Piasa am 26. und 27. Oktober in Paris organisieren, den Schlusspunkt unter die Firmen- und Familiengeschichte „Fabius Frères“.

Nur Laurent Fabius (*1946), der Bruder des verstorbenen François Fabius, bleibt der Branche treu. Allerdings nicht als Händler, sondern als einer der Eigentümer des Pariser Auktionshauses Piasa.

Das Paradox des Antiquitätenhändlers

„Die Familie Fabius behielt die Kunstwerke genauso gerne, wie sie sie verkauften: Ein für Antiquitätenhändler typisches Paradox“, schreibt Armelle Fabius weiter. Der auf Skulpturen spezialisierte Pariser Händler Patrice Bellanger schlägt in die gleiche Kerbe: „Sie verkauften nicht viel, sondern hoben über mehrere Generationen Objekte auf“. Wie wahr beide Aussagen sind, beweist der Vergleich der Highlights im Auktionskatalogs von Sotheby's mit jenen Spitzenstücken, die die Galerie Fabius Frères im Jahr 2004 bei der Pariser Antiquitäten-Biennale zeigte. Mehrere der von François Fabius damals offerierten Werke des gehobenen Kunsthandwerks befinden sich in der Auktion.

Sinn für Skulptur

Die Familie Fabius war besonders auf Skulpturen spezialisiert. Mit Schwerpunkt auf Marmor- oder Terrakottafiguren, auf Gipsentwürfe von Jean-Baptiste Carpeaux (1827 – 1875), sowie die Bronzen von Antoine-Louis Barye (1795 – 1875). Elie Fabius (1864 -1942), der Gründer des internationalen Rufs der Händlerfamilie, erwarb sie direkt bei den Nachlass-Auktionen der beiden Bildhauer, beides zentrale Gestalten für die Bildhauerei im 19. Jahrhundert in Frankreich. Fabius’ Lagerbestand bildet vermutlich das quantitativ bedeutendste Skulpturen-Angebot der Auktionsgeschichte. Jeder Beobachter wird sich die Frage stellen, ob der Markt eine solche Masse wird aufnehmen können.

Die Verliebten

Herausragend ist die Marmorgruppe „Daphnis und Chloe“, die Carpeaux während seines Londoner Exils im Jahre 1874 im Auftrag von Lord Alexander Hugh Baring 4th Baron of Ashburton schuf. Die sinnenfreudige Gruppe des verliebten antiken Paares ist eines der Meisterwerke von Carpeaux. Sie ist mit 1 bis 1,5 Millionen Euro taxiert. Ebenso perfekt ist das Marmorpaar „Junges Mädchen mit Muschel“ und „Fischer mit Muschel“, das Carpeaux 1873 signierte und datierte und wofür er je einen phantasievoll geschnitzten Eichen-Sockel entwarf. Das knapp 1 m hohe Paar ist mit 800.000 bis 1,2 Millionen Euro geschätzt.

Bei Dantes „Göttlicher Komödie“ inspirierte sich Carpeaux für mehrere Versionen des Ugolino, der seine Kinder verspeiste: die Fabius-Auktion wartet mit einem Gips-Entwurf mit drei Kindern auf (die Taxe beträgt 25.000 bis 40.000 Euro), sowie dem signierten Gips-Original mit vier Kindern, wofür die Taxe bei 50.000 bis 70.000 Euro liegt.

Mitarbeit an der Pariser Oper

Der Architekt der Pariser (und monegassischen) Oper, Charles Garnier, schlug Carpeaux 1865 die Gestaltung einer monumentalen, allegorischen Figurengruppe für die Fassade des Opernhauses vor. Sotheby's schätzt einen der Entwürfe für den „Tanz“ von Carpeaux mit 80.000 bis 120.000 Euro. Im Auftrag des Baron Haussmann, der Paris zur Metropole machte, entwarf Carpeaux 1867 den Brunnen für den Jardin du Luxembourg, dessen Terrakotta-Entwurf mit 60.000 bis 80.000 Euro angesetzt ist.

Michelangelo der Tierwelt

„Die Werke von Carpeaux sind exzeptionell, die von Barye schöne Stücke. Beide Künstler sind rar am Markt“, teilt Patrice Bellanger mit. Die deutsche Sotheby's Spezialistin Ulrike Goetz unterstreicht die „ausgezeichnete Qualität der Bronzen von Barye, die alle zu Lebzeiten gegossen wurden. Besonders selten sind die sogenannten 'Chefmodelle', oder 'Anschauungsmodelle', die dem Gießer genau zeigten, wie das Endstück aussehen soll“. Wie z. B. die patinierte Bronze „Elefant, der einen Tiger erdrückt“ von Barye, den Ulrike Goetz mit 150.000 bis 250.000 Euro ansetzt. Die Auktion wartet mit 51 Bronzen von Barye auf. Der Schriftsteller Théophile Gautier hat Barye als den „Michelangelo der Tierwelt“ bezeichnet. Die Schätzpreise reichen von 3.000 bis 500.000 Euro.

Prunkvolle Vasen

Neben rund zwanzig bedeutenden Möbelstücken, signiert von André-Charles Boulle, J.H. Riesener, C. Topino, oder Jacob, behauptet sich ein von Jean-François Robert bemaltes, vergoldetes Medicis-Vasenpaar aus Sèvres-Porzellan von 1811. Kaiser Napoléon I. bestellte die Prunkvasen für seinen Bruder Jérôme, König von Westfalen. François Fabius verlangte 2004 auf der Antiquitäten-Biennale 1,5 Millionen Euro für das Vasenpaar, das jetzt mit 500.000 bis 800.000 Euro taxiert ist.

Zurück zur Firmengeschichte: Elie Fabius übernahm das Geschäft seines aus dem Elsass nach Paris eingewanderten Vaters Emmanuel, das sich bis 1942 in unmittelbarer Nähe des Versteigerungshauses Hôtel Drouot befand. Die Söhne von Elie gründeten im Jahre 1937 am Boulevard Haussmann die Galerie Fabius Frères, die sie gemeinsam betrieben. Selbstverständlich mit einer Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs, wo die jüdische Familie nur versteckt oder in der Résistance überleben konnte. Das gesamte Lager des Vaters Elie Fabius wurde 1942 zwangsversteigert. Nur die rechtzeitig vor der Besatzung von Paris eingelagerten Objekte konnten gerettet werden. Umso eindrucksvoller ist die verbliebene Zahl der Kunstwerke. Ab 1984 nahm François Fabius auch die Keramikvasen von Théodore Deck (1823-1891) und die ungewöhnlichen Glasschöpfungen von Maurice Marinot (1882-1960) in seine Programm hinzu.

Drei Händlergenerationen in der Galerie Fabius Frères belieferten internationale Museen, dazu Bankiers wie Hottinger oder Rothschild. Die auf 10 Millionen Euro Gesamtwert geschätzte Auktion mit 385 Losen schließt ein Kapitel Kunsthandels- und Geschmacksgeschichte.

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