Fälscherskandale
Wie Dubletten auf den Markt kommen

Verschiedene Funde gefälschter Kunstwerke erschüttern die Szene in Deutschland und den USA. Der Duisburger Kunsthistoriker Raimund Stecker schildert im Interview, wie die Dubletten auf den Markt kommen.
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Was läuft falsch auf dem Kunstmarkt?

Stecker: Es gibt zu wenige Kenner mehr in der Sammlerschaft, und es gibt zu wenige Bilder, um den Investitionsnachfragen nachzukommen. Vor 100 Jahren hatten Sammler, die Bilder kauften, eine Sprache dafür und eine Kultur, damit umzugehen. Heute kauft man Labels, heißen sie nun Kiefer, Pollock oder Gerhard Richter. Es gibt gar keine Titel mehr für die Bilder. (...) In dem Augenblick, wo man Kunst kauft und sie im Freilager in Genf oder Zürich hat oder in Depots versteckt, steht ja Kunstgenuss nicht mehr im Mittelpunkt.

Sind die Sammler also selber schuld, dass sie übers Ohr gehauen werden?

Das würde ich nicht so sagen. Aber es gehören immer zwei dazu: diejenigen, die übers Ohr hauen und diejenigen, die sich übers Ohr hauen lassen. Und eine gewisse Kennerschaft kann eben verhindern, dass man übers Ohr gehauen wird.

Aber gerade die Experten, die die Beltracchi-Fälschungen geprüft haben, haben sich doch täuschen lassen. Sind die nicht auch schuld?

Natürlich sind die auch schuld. Ich habe sofort ein Gutachterverbot eingeführt. Keiner aus unserem Haus schreibt im Namen des Museums ein Gutachten, auch nicht zu Lehmbruck. Das einzige, was ich als Museumsleiter machen kann ist, dem einen Riegel vorzuschieben, bis wir mit unserem Lehmbruck-Archiv in drei bis fünf Jahren so weit sind, dass wir wirklich Gutachten schreiben können. Aus diesem Grund haben wir das Archiv eingerichtet.

Wie prüfen Sie neue Ankäufe?

Wir haben Ende 2010 eine kleine Skulptur von Giorgio de Chirico auf einer Auktion erworben. Es gab aber eine Differenz im Material zwischen der Auszeichnung im Katalog und dem, was es ist. Wir haben dem Auktionshaus sofort mitgeteilt, dass wir von unserem Rückgaberecht Gebrauch machen, würden aber vorher gern prüfen. Ein halbes Jahr haben wir mit der Restaurierungsabteilung der Fachhochschule Köln geforscht. Und Heureka! Wir haben sogar ein sehr viel besseres Stück ersteigert, als es ausgewiesen ist. Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Atelierstück.

Sie haben also lange mit Hilfe von Restauratoren geprüft?

Ja klar.

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„Wir sind jetzt sehr viel klüger“

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  • Nun muss auch noch der Direktor des W.Lehmbruck Museums dazu etwas sagen.Bemerkenswert,denn er hatte nicht erkannt,dass in seinem Hause viele Wochen ein falsches Bild von L. Marcoussis hing,Portrait A.Flechtheim,welches er weder geprüft noch erkannt hat.Ist Herr Stecker nicht sogar über die problematischen posthumen Güsse von ARP im ARP Museum gestolpert und entlassen worden? W. Beltracchi ist ein Krimineller mit handwerklichem Geschick,aber eben kein Künstler sonst hätte er sich nicht so sehr an diesen vergangen.

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