Fahrenheit 9/11 sprengt Rekorde
Der Feldzug des Michael Moore

Er ist vollschlank, trägt eine Baseballmütze, hat den Charme eines Proleten und ist der schärfste Kritiker des George W. Bush - Michael Moore. Jetzt startet sein neuster Feldzug in den Kinos: Fahrenheit 9/11.

HB PARIS. „Fahrenheit 9/11“, das ist die fulminante Anklage des US-Dokumentarfilmers Michael Moore an sein Land, das den Pfad der Tugend verlassen habe. Es ist eine erbarmungslose Abrechnung mit der Politik unter Präsident George W. Bush von dessen umstrittener Wahl im November 2000 bis zum Irak-Krieg. Vor allem jedoch ist „Fahrenheit 9/11“ ein als Dokumentation verkleidetes Wahlpamphlet:

Der 50-jährige Oscar-Gewinner aus Flint/Michigan („Bowling for Columbine“) will Bush aus dem Weißen Haus gejagt sehen. Seit dem riesigen Wirbel um Moore auf dem diesjährigen Filmfestival in Cannes ist „Fahrenheit 9/11“ ein Erfolgsschlager. In Deutschland setzt sich das fort - mit 200 Kopien ist sein Start am 29. Juli der bislang größte eines Dokumentarfilms. Mit dem ihm eigenen Biss setzt Michael Moore Ausschnitte aus TV-Nachrichten, offizielle Erklärungen, Archivbilder sowie bislang unveröffentlichte Videos zu dem provokativ kommentierten Porträt des Präsidenten zusammen.

Der Tenor: Erst hat George W. Bush seine Wahl erschwindelt - dann nutzt er die Anschläge des 11. September, um den Irak zu überfallen, in den USA eine Angstkampagne auszulösen und die Bürgerfreiheiten einzuschränken. Abhängig von den Ölkonzernen und den Geschäftsbeziehungen mit saudischen Familien, der Osama bin Ladens eingeschlossen, kaschiert Bush die eigentlichen Interessen. Das ist alles so neu nicht, aber mit viel Witz, Können und Wut aufbereitet.

Eine der eindringlichsten Szenen zeigt Bush, der sich am Morgen des 11. September 2001 auf den geruhsamen Besuchstermin in einer Grundschule Floridas eingestellt hatte, als ihm dort von seinem Stabschef das Entsetzliche zugeflüstert wird: „Die Nation wird angegriffen.“ Sieben unendliche Minuten bleibt die Kamera auf einem wie gelähmt dasitzenden Bush, der Zeit zu brauchen scheint, den Ernst der Lage zu deuten. Er greift zu einem Kinderbuch und blättert darin.

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