Kultur + Kunstmarkt
„Farland“ inszeniert Sprachlosigkeit und versteckte Gefühle

Farland liegt im Niemandsland. Dort, wo menschenleere Gewerbegebiete, graue Neubauten und triste Einkaufszentren eine deprimierende Stimmung verbreiten, hat Regisseur Michael Klier seinen neuen Film angesiedelt.

dpa MÜNCHEN. Farland liegt im Niemandsland. Dort, wo menschenleere Gewerbegebiete, graue Neubauten und triste Einkaufszentren eine deprimierende Stimmung verbreiten, hat Regisseur Michael Klier seinen neuen Film angesiedelt.

Es ist die Geschichte über die zarte und vorsichtige Annäherung von Karla (Laura Tonke, „Baader“) und Axel (Richy Müller, „Die innere Sicherheit“). Sie begegnen sich auf der Intensivstation eines Krankenhauses, wo Karlas Schwester und Axels Sohn nach einem Unfall im Koma liegen. Schmerzhaft müssen sie lernen, ihre Ängste und ihre Gefühls- Sprachlosigkeit zu überwinden und aus ihrer selbst gewählten Einsamkeit auszubrechen.

Mit Absicht wählte Klier („Heidi M.“, „Ostkreuz“) als Drehort einen seelenlosen Ort in Brandenburg vor den Toren Berlins, der nach dem Mauerfall aus dem Boden gestampft wurde. „Ich finde die Gegend prototypisch für Deutschland, weil ich es als ein sehr kaltes Land empfinde“, begründet er die Wahl.

Besonders deutlich wird dies an dem Hotel, in dem Karla übernachtet, während sie ihre Schwester im Krankenhaus besucht. Per Computer checkt sie sich ein, holt sich die Getränke am Automaten und trifft die ganze Zeit über keine Menschenseele. Auch Axel streift ziellos durch die Gegend, ohne je das Gefühl von Vertrautheit zu bekommen. Seit er seine Familie vor Jahren verlassen hat, ist ihm nicht nur seine Ehefrau, sondern auch sein Sohn fremd.

Nebelig und feucht ist es in Farland, die Farben sind so blass wie die Gefühle, die an die Oberfläche dringen. „Es geht einfach darum, nach außen so zu tun, als wäre nichts, aber innen drin brodelt es“, beschreibt Richy Müller seine Rolle. Doch irgendwann brauche jeder einen anderen Menschen, dem er sich anvertrauen könne. In Axels Fall ist dies Karla, die nur widerwillig in ihren Heimatort zurückgekehrt ist, um ihre Schwester zu pflegen. Sie hat selbst zu kämpfen mit alten Erinnerungen, unter anderem mit ihrem früheren Verehrer Frank (Daniel Brühl, „Good Bye, Lenin!“), der als Polizist im Unfall ihrer Schwester ermittelt.

Klier glaubt, dass vor allem fehlende Werte schuld an der gefühlskalten Atmosphäre sind. Überall würden Schönheit, Reichtum und Erfolg als Werte verkauft, als wären Dinge wichtiger als das Leben. Viele Menschen scheitern an dieser Art Zusammenleben, weil sie sich nie öffnen. Auch Karla und Axel leiden darunter, finden jedoch noch einen Ausweg. Langsam brechen alte, verkrustete Gefühle auf und inmitten der deprimierenden Umgebung entsteht so etwas wie eine kleine Hoffnung auf eine bessere Welt.

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