Fasching und Karneval sind wahre Hoch-Zeiten für Flirts aller Art
Schau mir in die Augen

Wie das Spiel mit einer schönen Unbekannten am heftigsten prickelt - das lernt "mann" in Flirtschulen, und die sind im Kommen.

Was für ein hinreißendes Kneipenluder! Während der Gefährte an ihr verliebt herumknuspert wie Hänsel am Lebkuchenhaus und während sie sogar seine Artigkeiten erwidert, da schaut sie gleichzeitig die zehn Meter bis zum Tresen hinüber und flirtet und äugelt mit dem wildfremden Mann dort hinten auf Deubel komm raus.

Ihre Blicke begegnen sich und bleiben magnetisch ineinander verhaftet. Sie lächeln sich verschwörerisch zu, heben leicht das Weinglas zum heimlichen Gruß und lassen sich auf eines dieser faszinierenden Spiele zwischen Mann und Frau ein, die ein bisschen gefährlich und verrucht sind, manchmal sogar verboten, aber spannend allemal. Man nennt es Flirt.

Ob ihr Typ was merkt? Wohin führt die Sache, wenn sie denn zu was oder zu gar nichts führt? Und sie? Sie reagiert durchaus doppelbödig, flirtet gewissermaßen im unverschämten Doppelpack, ausgestattet mit nichts als jener ironisch-interessierten Mimik, die noch immer einen Kneipenflirt in Gang gehalten hat.

Gasthäuser, Kneipen, Partys, Clubs, Bars, Lounges - das alles sind seit jeher Treffpunkte, vulgo: Baggerlöcher, in denen Männer auf Frauen und Frauen auf Männer hoffen dürfen - sei es, um endlich den Richtigen oder die Einzige zu finden, oder einfach, um nur ein wenig mit den beiderseitigen Anziehungskräften zu spielen.

Flirts liegen selbst in der verräuchertsten Luft, man muss sie nur einfangen. Aber mit Feingefühl! "Mach meinen Engel nicht an, sonst kriegst du dermaßen eins auf die Schnauze!" warnte uns einst Udo Lindenberg.

Ohne den Kneipenflirt oder zumindest die Erwartung darauf läge die Gastronomie hier zu Lande längst am Boden. Immerhin 31,8 Prozent aller Liebespaare haben sich auf Partys oder in Cafés oder Bars kennen gelernt, haben vielleicht nach einem kurzen Augenflirt, einer Witzelei oder einer beiläufigen Bemerkung Gefallen aneinander gefunden und sind manchmal sogar beieinander geblieben.

Paradoxerweise suchen und finden wir die allererste Intimität also dort, wo sie eigentlich ausgeschlossen sein müsste - in großen, lauten, fröhlichen, ausgelassenen Menschenmengen.

Kein Wunder, dass Fasching und Karneval wahre Hoch-Zeiten für Flirts aller Art sind, die auf unkomplizierte Weise zueinander führen oder auch nicht. Im Fasching und Karneval ist der Flirt endgültig zur Kunstform erhoben, vielleicht sogar zur eigentlichen Absicht im jecken Jedöns. Die fünfte Jahreszeit - zumindest entlang der Rheinschiene - ist auch deswegen als Anbahnungs-Institut so beliebt, weil wir aus unseren angestammten Rollen herausschlüpfen und zu Piraten, Krankenschwestern, Matadoren oder Hofnarren werden dürfen, ohne uns wie sonst rechtfertigen oder aufplustern oder wichtig geben zu müssen. Wir suchen und finden vielmehr Aufmerksamkeit, indem wir ein bisschen anders sein dürfen als sonst.

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