Fesche Geschäftsidee
Rationierung für Reiche

Die Geschäftsidee klingt nach DDR-Markt: Der Londoner Online-Shop 20ltd verkauft nur 20 Produkte. Die werden in Kleinstserien extra angefertigt, und wenn sie weg sind, kommt kein Nachschub. Das ist wahrer Luxus.

Mahatma Gandhi als Stürmer, Lady Macbeth als Verteidiger, im Tor Santa Claus – alle auf einem Tischfußballspiel. Oder eine Obstschale nur aus Silberlöffeln. Oder kaschmirgesäumte Hängematten aus Fuchsfellen. Wenn sich Designer der Aufgabe stellen, die der soeben eröffnete Londoner Online-Shop 20ltd (Twenty Limited) an sie heranträgt, toben sie sich aus. Gefragt ist Ungewöhnliches: Raritäten für Menschen, die schon alles oder genug vom Einerlei haben. „Oder für Leute, die Spaß an Design und Interesse am Produkt und seiner Qualität haben“, wie es Firmengründer Marcus Husselby etwas nüchtern formuliert. Dabei sind die Produkte von 20ltd alles andere als nüchtern.

So wird die Eleven Forty Company in Glasgow auf Bestellung für zirka 21 500 Euro statt ihrer soliden Kickertische das Opus „Gut gegen Böse“ für Kunden von 20ltd schreinern. Höchstens zwanzigmal. Mit sandgestrahltem Glasspielfeld, Präzisionstechnik für professionelle Ballarbeit, drei verschiedenen Bällen für unterschiedliche Spielarten und handgeschnitzten Teams: Der guten Elf mit Jekyll im Mittelfeld, der bösen mit Hyde. Und die Details eines jeden Kickers – etwa Hitlers Schnurrbart oder Franz von Assisis Glatze – versetzen Marcus Husselby immer noch in helle Begeisterung.

Spricht der 35-Jährige von seinem vor 18 Monaten gegründeten Unternehmen und den hierfür von großen Namen und talentierten Newcomern exklusiv kreierten Produkten, kann er kaum stillsitzen. Er rutscht auf dem Stuhl hin und her, holt Fotos, malt Formen auf den Tisch, zeichnet mit Händen ein Produkt oder eine Idee in die Luft. Der ehemalige Werbegrafiker und -designer, der das Unternehmen mit seinem gleichaltrigen Freund und einstigen Werbe-Kollegen Jolyon Fenwick aufbaut, hat ein Faible für gutes Handwerk und hochwertige Materialien.

„Es gab keinen, der unsere Idee nicht mochte“, sagt er leise, aber stolz. „Nur 20 Design-Produkte, die wiederum in ihrer Auflage limitiert sind ... das ist wie ein Victoria-und-Albert-Museum für angewandte Kunst im Internet. Viele Designer sagten uns, es sei für sie wie ein Director’s Cut: entwerfen, ohne auf Serienproduktion und Massenverkäuflichkeit zu schielen.“ Von Luxus möchte er nicht sprechen. Der Begriff sei missverständlich und im Sprachgebrauch Synonym für teuer. „Wir hängen beim Preis aber keine Null dran, weil unsere Produkte limitiert sind. Natürlich müssen wir verkaufen und Geld verdienen. Aber wir wollen nicht nur Teures.“

Das Risiko, dass Besonderes oft schwer verkäuflich ist, minimiere sich durch das Partnerschaftsprinzip mit den Herstellern: „Wir kaufen die Objekte nicht vorher und stellen sie in ein Lagerhaus, sondern jedes Stück wird auf Bestellung gefertigt.“ Nur kleinere Waren würden vorab gekauft und eingelagert, vor allem wenn sie von Nachwuchskünstlern stammten, die ihrerseits Produktionskosten begleichen müssten. Zwar können die Kunden sich ihr Produkt nicht vor Ort anschauen, aber sie haben, wie bei Internetshops üblich, ein Rückgaberecht. 65 Produkte sind bereits beschlossen. Im Internet werden immer nur 20 zu finden sein. Ist eines ausverkauft, rückt ein neuer Artikel nach.

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