Kultur + Kunstmarkt
Festspielhaus Hellerau soll europäisches Kunstzentrum werden

Wann immer der Komponist und Intendant Udo Zimmermann vom Festspielhaus Hellerau spricht, bekommt seine Stimme etwas Beschwörendes. „Hellerau ist kein Vorort von Dresden. Hellerau ist ein europäischer Ort“, sagt der Künstler und meint damit Historie und Zukunft des Festspielhauses gleichermaßen.

dpa DRESDEN. Wann immer der Komponist und Intendant Udo Zimmermann vom Festspielhaus Hellerau spricht, bekommt seine Stimme etwas Beschwörendes. „Hellerau ist kein Vorort von Dresden. Hellerau ist ein europäischer Ort“, sagt der Künstler und meint damit Historie und Zukunft des Festspielhauses gleichermaßen.

Nach den Vorstellungen Zimmermanns soll das Bauwerk samt Gelände zu einem „Grünen Hügel der Moderne“ werden. Der Freistaat Sachsen und die Stadt Dresden sehen das ebenso und wollen nun den Bund als potenziellen Geldgeber für das Vorhaben erwärmen.

Gelder sind momentan in Hellerau so rar wie Opernhäuser in der Wüste. Dafür verkaufen Zimmermann und Gleichgesinnte ihre Konzeption für Hellerau wortreich. Die Dramaturgie biete „sinnlich-spielerische Freiräume für eine prozesshafte, thematisch orientierte Annäherung der Künste an einem Ort, der als Kunst-Labor und geistiges Forum zugleich verstanden wird“, heißt es vollmundig. Für Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hat Hellerau „die besten Voraussetzungen, wieder ein internationales Forum für zeitgenössische Kunst zu werden“.

Im Kern geht es den Sachsen darum, Hellerau zu dem zu machen, was es einmal war. Das Festspielhaus am Stadtrand von Dresden hatte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts einen klangvollen Namen in der Kunstwelt. Mit seiner funktionalen Bauweise avancierte das 1911/12 nach einem Entwurf von Heinrich Tessenow entstandene Gebäude zum Vorreiter der Moderne. Der Schweizer Komponist Emile Jaques-Dalcroze gründete hier eine Bildungsanstalt für Rhythmus und Bewegung. Hellerau wurde damit zur Wiege des modernen Tanzes.

Die glorreichen Zeiten dauerten allerdings nicht lange. Ende der 30er Jahre wurde der Musentempel zur Polizeischule umgebaut. Die Wehrmacht nutzte das Gelände als Kaserne, der große Saal diente als Sporthalle. Auch die Sowjetarmee als Hausherr nach dem Zweiten Weltkrieg besann sich nicht auf die künstlerischen Traditionen des Hauses. Fortan prangte der Sowjetstern in Hellerau. Propagandistische Wandgemälde zeugen noch heute von der artfremden Periode. Das Gelände verkam mehr und mehr.

Nach Abzug der russischen Truppen bewachte zunächst das Bundesvermögensamt das Terrain. Im September 1992 öffneten sich erstmals nach fast 60 Jahren die Tore wieder für die Öffentlichkeit. Die Wüstenrot Stiftung gab Geld für die Sanierung von zwei der vier Pensionshäuser am Platz. Die Getty-Stiftung aus Los Angeles sponserte die Rekonstruktion des Foyers und der beiden Treppenhäuser. Ab Herbst dieses Jahres soll das Festspielhaus erneut Baustelle sein. Mit der Vollendung wird Ende 2005 oder Anfang 2006 gerechnet.

Schon heute residieren im Provisorium Hellerau Institutionen wie das von Zimmermann begründete Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik. Für die Zukunft schwebt dem Hellerau-Intendanten eine „Säulen- Dramaturgie“ vor: Musik, Tanz, Theater, Medienkunst, Bildende Kunst und Architektur sollen hier als Kunstgattungen gleichberechtigt eine Bühne finden. Mit dem Choreografen William Forsythe hat Zimmermann bereits eine Berühmtheit an Land gezogen. Der Amerikaner wird abwechselnd in Hellerau und Frankfurt am Main arbeiten.

Zimmermann braucht für die Finanzierung seiner künstlerischen Pläne mindestes fünf Mill. € pro Jahr. Bis auf die Beteiligung des Landes Sachsen am Forsythe-Engagement - 1,5 Mill. € pro Jahr von 2005 bis 2010 - hat der Intendant bisher nur 1,2 Mill. € auf der Haben-Seite. Für bauliche Belange gibt das Land in den kommenden fünf Jahren acht Mill. € aus. „Es wird mühevoll, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf“, sagt Zimmermann. Mit Geduld und Überzeugungskraft will er nun weitere Geldgeber für die Avantgarde gewinnen. An diesem Donnerstag (26.) reist Kultur- Staatsministerin Christina Weiss (parteilos) in Hellerau an. (Internet: www.kunstforumhellerau.de)

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