Film hatte am Freitagabend US-Premiere
Bushs rotblonder Albtraum

US-Präsident George W. Bush steht mit heller Freizeithose und grauem Polohemd am Rande eines Golfplatzes. „Ich rufe alle Nationen dazu auf, diese terroristischen Killer zu stoppen“, hämmert er in die Kameras. Seine Stimme klingt besorgt, die Stirn ist von tiefen Falten durchpflügt. Als das Rotlicht abgeschaltet ist, knipst Bush blitzschnell sein burschikoses Lächeln an. „Und jetzt zeig’ ich euch mal, wie man gescheit Golf spielt“, ruft er der Journalistengruppe zu, schnappt sich einen Schläger und holt zum Schwung aus.

Das sind die Szenen, auf die die rund 300 Zuschauer im AMC-Kino von Arlington, einem Vorort von Washington, abfahren. Hier wie in 867 anderen US-Filmhäusern hatte Michael Moores neuer Streifen „Fahrenheit 9/11“ am Freitagabend US-Premiere. „Es wird Zeit, dass dieser Clown im Weißen Haus endlich abgelöst wird“, sagt der 25-jährige Sozialarbeiter Jim Canisto. „Ich habe zweimal für Ronald Reagan gestimmt – dem kann Bush nicht das Wasser reichen“, betont der Betriebswirt Jack Chandler.

Moore macht keinen Hehl daraus, warum er die sechs Millionen Dollar teure Produktion gut vier Monate vor den Präsidentschaftswahlen auf den Markt bringt: „Ich möchte dazu beitragen, dass Herr Bush aus dem Weißen Haus ausziehen muss.“ Und so unternimmt der rotblonde Republikaner-Schreck alles, um den Mythos des Anti-Terror-Präsidenten mit kompromittierenden Bildern zu erschüttern.

Am Morgen des 11. September 2001 ist Bush beim Besuch einer Grundschule in Sarasota im Bundesstaat Florida zu sehen. Gerade hat ihm sein Stabschef die Nachricht vom Crash des zweiten Flugzeugs in das New Yorker World Trade Center zugeflüstert. Doch der Präsident scheint nicht begriffen zu haben. Ganze sieben Minuten schweift sein Blick teilnahmslos durchs Klassenzimmer, zwischendurch liest er im Kinderbuch „Meine Hausziege“. Anschließend wird Bushs Anti-Terror-Koordinator Richard Clarke eingeblendet, der am 12. September erklärt: „Der Präsident war nur an Material interessiert, das Saddam Hussein belasten würde.“ Moore kommentiert den Abschnitt mit den Worten: „Die Regierung hatte ihren Entschluss, den Irak anzugreifen, längst gefasst.“

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