Film über Thatcher: „Die Eiserne Lady“ polarisiert wieder

Film über Thatcher
„Die Eiserne Lady“ polarisiert wieder

Meryl Streep hat in ihrer Rolle als Margaret Thatcher in „The Iron Lady“ gute Chancen auf einen Oscar. In Großbritannien aber spaltet der Film, der nun Europapremiere feierte, die Lager - wie einst Thatcher selbst.
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London/DüsseldorfDas Jahr ist erst wenige Tage alt - und doch steht der wohl meist diskutierte Film 2012 in Großbritannien schon fest. Seit Monaten ist „The Iron Lady“, das Film-Porträt der umstrittenen früheren Premierministerin Margaret Thatcher, im Königreich in den Schlagzeilen. Lange, bevor mehr als der Trailer zu sehen war, gab es bereits heftige Kritik oder großes Lob. Kein Wunder, spaltet doch auch die echte Margaret Thatcher - mittlerweile 86 Jahre und seit ihrer Demenz-Erkrankung zurückgezogen lebend - bis heute die Nation.

In Deutschland kommt „Die Eiserne Lady“ am 1. März ins Kino. In London stand am Mittwoch die langerwartete Europapremiere an. Die Kinos auf der Insel dürften die kommenden Tage und Wochen voll sein. Die „Times“ führt „The Iron Lady“ bei der Liste der Filme, die man 2012 unbedingt sehen müsse, auf Platz eins.

Die zweifache Oscar-Preisträgerin Streep kam  am Mittwoch zu der Europa-Premiere ihres Films natürlich selbst. Streep schritt bei Nieselregen über einen blauen Teppich - blau ist die traditionelle Farbe von Thatchers konservativer Partei und das Markenzeichen der Politikerin, die häufig blaue Kleidung trug. Streep gab zu, vor dem Film nicht viel über Thatchers Politik gewusst zu haben. Das habe die Rolle interessant gemacht, sagte die US-Schauspielerin.

Die Schauspielerin wurde mit dem Film bereits für einen Golden Globe nominiert und Experten trauen ihr zu, im kommenden Monat einen weiteren Oscar zu gewinnen. Doch Streep ließ sich nicht auf solche Spekulationen ein und sprach stattdessen über die große Herausforderung, jemanden vom Beginn seiner politischen Karriere bis ins hohe Alter spielen zu dürfen. „Nicht viele Filme befassen sich mit älteren Frauen“, sagte Streep.

Bisher konnten nur ausgewählte Wegbegleiter oder Journalisten den Film anschauen. Obwohl die Briten sich selbst bald ein Bild machen können, dürfte die Diskussion entlang der beiden Stränge weiterlaufen, die bisher bestimmend waren: Thatcher-Hasser gegen Thatcher-Verehrer. Unzählige, teils selbst ernannte Kenner der erzkonservativen Tory-Politikerin, die als erste und bis heute einzige Frau Großbritannien regierte, haben sich bereits zu Wort gemeldet und kundgetan, ob der Film ihr gerecht werde oder nicht.

Stein des Anstoßes ist vor allem die Tatsache, dass Thatcher als fragile, schwer demenzkranke alte Frau gezeigt wird, die mit ihrem längst verstorbenen Ehemann Gespräche führt. Ihre eigene Tochter muss ihr sagen, dass sie nicht mehr Premierministerin ist. In Rückblenden werden Thatchers Aufstieg zur Macht und schließlich ihr Fall gezeigt.

In den USA und in Australien kam der Film bereits in die Kinos. Frühere Kollegen und Rivalen Thatchers, die den Film bereits gesehen haben, sagten, Streep habe Thatchers Wesen gut getroffen. Thatchers Biograf Charles Moore gab an, Streep erfasse den starken, rastlosen, leidenschaftlichen Charakter der Politikerin Thatcher sowie „die eher rührende alte Dame, die Freunde 'Lady T' nennen“.

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