Filmbranche
Wie die DVD Hollywood rettet

Die durchschnittlichen Produktionskosten für einen Blockbuster aus Hollywood liegen bei 100 Millionen Dollar, und nur die wenigsten Filme schaffen es, diese gewaltige Summe an der Kinokasse wieder einzuspielen. Erst die Zweitverwertung per DVD bringt den finanziellen Durchbruch. Was Studios, Produzenten und Verleiher freut, treibt vielen Kinobetreibern die Schweißperlen auf die Stirn.

DÜSSELDORF. Statistisch gesehen hat die DVD das Kino hierzulande längst überrundet. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 103,7 Millionen Stück der sogenannten Bildtonträger verkauft. Insgesamt hat die DVD-Branche in 2008 einen Umsatz von 1,291 Milliarden Euro erwirtschaftet, weitere 264 Millionen entfielen auf den Verleih.

Zum Vergleich: Geschätzte 129 Millionen Menschen besuchten im gleichen Zeitraum die deutschen Kinos - immerhin vier Millionen mehr als in 2007, aber kein Vergleich zu den 178 Millionen im Jahr 2001. Insgesamt wurden an deutschen Kinokassen in 2008 794,7 Millionen Euro umgesetzt.

Inzwischen stehen die neuesten Hits aus Hollywood bereits vier bis sechs Monate nach Kinostart in den Geschäften. Die kurze Frist hat aus finanzieller Sicht gute Gründe: Für Filmemacher, Studios und Produzenten ist die Zweitverwertung zu einer existenziellen Einnahmequelle geworden. "Ohne diese Märkte wäre die teure Kinofilmproduktion und-vermarktung nicht refinanzierbar. Diese Entwicklung wird sich nicht umkehren lassen", heißt es in einer Stellungnahme des Verbandes der Filmverleiher (VdF). Das sieht auch Dan Glickmann, CEO der Motion Picture Association of America so. "60 Prozent aller Filme schaffen es noch nicht einmal, ihre Kosten an der Kinokasse wieder einzuspielen", erklärte Glickmann unlängst in einem Interview mit der "New York Times".

Viele Filme haben die Zweitverwertung demnach bitter nötig. "Die Chroniken von Narnia: Prinz Caspian" ist so ein Fall. Das Fantasy-Spektakel war im vergangenen Jahr mit rund 200 Millionen Dollar Produktionskosten und einem Einspielergebnis von 141 Millionen Dollar an den US-Kinokassen ein echter Flop. Zwar spielte der Film im Rest der Welt weitere 278 Millionen Dollar ein, doch das Marketing für den Blockbuster fraß einen Großteil der Einnahmen wieder auf. "Allein in den USA kostet die Werbung für einen solchen Film noch einmal etwa 50 Prozent der Produktionskosten", schätzt VdF-Geschäftsführer Johannes Klingsporn. Dementsprechend brachten erst die DVD-Verkäufe - weitere 70 Millionen Dollar allein in den USA - "Prinz Caspian" endgültig in die Gewinnzone.

Kritisch wird eine kurze Frist zwischen DVD- und Kinostart vor allem von den Kinobetreibern gesehen. Sie befürchten, dass dem Film im Kino damit die Exklusivität genommen wird und sich viele Kinogänger einen Film nicht mehr auf der großen Leinwand anschauen, sondern lieber die DVD-Veröffentlichung abwarten. Dementsprechend sind die derzeit üblichen vier bis sechs Monate zwischen Kino- und DVD-Start für den Hauptverband deutscher Filmtheater (HDF) "die absolute Schmerzgrenze", erklärte HDF-Geschäftsführer Thomas Negele in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

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