Filmcrew kam im Originalzug von 1954 nach Essen
„Das Wunder von Bern“ rührte den Kanzler zu Tränen

Alle waren sie gekommen, um in Essen die Premiere eines Stücks deutscher Sportgeschichte auf der Leinwand zu sehen: Gerhard Schröder, Rudi Völler, natürlich die noch lebenden Weltmeister Horst Eckel und Ottmar Walter und weitere rund 1300 Ehrengäste. Und niemand bereute es.

HB ESSEN. Als das Licht im Saal des Essener Filmpalastes „Lichtburg“ wieder an ging, wirkte Regisseur Sönke Wortmann so gelöst wie seine Weltmeister: „Dies ist der viertglücklichste Tag meines Lebens - wer weiß, dass ich drei Kinder habe, weiß, was ich meine“, sagte Wortmann nach der Premiere seines Films „Das Wunder von Bern“. Mit minutenlangem Applaus feierten rund 1 300 Ehrengäste am Mittwochabend das Filmepos um die Weltmeisterschaft der deutschen Fußballnationalmannschaft 1954 vor dem Hintergrund des Schicksals einer Ruhrgebietsfamilie im Nachkriegsdeutschland.

Immer wieder spendete das Premierenpublikum während der zweistündigen Vorstellung Szenenapplaus: Als Sepp Herberger (Peter Franke) seine bekannten Weisheiten wie „Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten“ von einer Putzfrau souffliert bekommt oder Torjäger Helmut Rahn (Sascha Göpel) das Siegtor zum 3:2 über Ungarn schießt. Gefeiert wurden auch schon beim Einlauf auf dem stadiongrünen „roten Teppich“ vor dem Kino die beiden Weltmeister von 1954, Horst Eckel und Ottmar Walter. „Es ist sehr traurig, dass der „Boss“ Helmut Rahn nicht mehr dabei sein kann“, sagte Eckel.

„Dies ist vielleicht ein Film, der den Kritikern gar nicht gefallen wird und dem Publikum sehr - so sollte ein Erfolgsfilm sein“, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der die Premiere eröffnet hatte. Die Geschichte, die der Film erzähle, sei besonders anrührend. „Ich habe den Film in der Rohfassung gesehen und schon da habe ich geweint“, bekannte der Kanzler. Und die Heldentaten der Mannschaft von Bern könnten Vorbild sein für künftige Siege: „Rudi, 2006 geht's ums Ganze“, rief Schröder Teamchef Rudi Völler zu.

Völler zeigte sich nach der Vorstellung beeindruckt von der Darstellung des Weltmeisterteams und seines Trainers Herberger. „Im Fußball hat sich zwar viel verändert, aber zu 75 % wird das heute alles noch genauso gemacht, zum Beispiel, was die Motivation der Mannschaft angeht“, sagte der Teamchef. Gerührt war Bayer Leverkusens Manager Reiner Calmund: „Ich bin in der Nähe von Brühl in genau so einer Siedlung aufgewachsen wie diese Familie im Ruhrgebiet - das wühlt viele Erinnerungen hoch“, meinte Calmund.

Bereits am Vormittag vor der Premiere hatten Wortmann und seine Filmcrew auch den Triumphzug der Nationalmannschaft noch einmal aufleben lassen. Mit dem originalen Weltmeisterzug von 1954 fuhren sie, fröhlich empfangen von zahlreichen Fans, im Essener Hauptbahnhof ein. „Dies ist mit einem Budget von 7,5 Mill. € mein bisher teuerster Film“, sagte der Regisseur. „Ob es mein größter ist, wird sich jetzt zeigen."

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