Filmfestspiele in Cannes
Anti-Bush-Film gewinnt Goldene Palme

Michael Moores Anti-Bush-Dokumentation «Fahrenheit 9/11» hat bei den Filmfestspielen in Cannes den Hauptpreis gewonnen. Er ist der erste Dokumentarfilm seit fast 50 Jahren, der diesen Preis bekommt.

HB CANNES. In der Nacht nach der Verleihung der Goldenen Palme hat Cannes den US-Regisseur Michael Moore und seinen Anti- Bush-Film „Fahrenheit 9/11“ gefeiert wie selten einen Gewinner zuvor. Beifall, Ovationen und Bravo-Rufe begleiteten den „Störenfried“ im Wahlkampf der USA, dessen politische Dokumentation sich äußerst kritisch und mit dem Moore eigenen Witz mit US- Präsident George W. Bush befasst.

„Die rechtsgerichteten Medien in den USA werden sagen, dies ist ein französischer Preis“, meinte Moore unter Anspielung auf die strikte Pariser Haltung gegen den US-geführten Krieg gegen Bagdad. In der neunköpfigen Jury von Cannes saßen allerdings vier Amerikaner.

Die Jury um US-Regisseur Quentin Tarantino („Kill Bill“) hat mit der Goldenen Palme für Moore ein Zeichen im US-Wahlkampfjahr gesetzt. Der Film, der in den USA noch keinen Vertrieb gefunden hat, war schon während des Festival mit Ovationen bedacht worden. Tarantino habe ihm aber gesagt, er habe die Goldene Palme nicht aus politischen Gründen erhalten, sondern weil es „ein großer Film“ sei, erläuterte Moore.

Moore widmete seinen Film „den Kindern Amerikas und des Iraks und all jenen in der Welt“, die unter Bushs Politik litten. Er äußerte die Hoffnung, dass auch „das amerikanische Volk“ den preisgekrönten Film nun bald sehen dürfe, damit „die Wahrheit ans Licht“ komme.

Der deutsch-österreichische Beitrag „Die fetten Jahre sind vorbei“ von Hans Weingartner ging leer aus. Insgesamt standen 19 Filme im 57. Wettbewerb an der Côte d'Azur. Ein großes Fest war Cannes für den asiatischen Film, der sechs von 19 Beiträgen im Wettbewerb hatte. Der Große Jury-Preis ging an das Rachedrama „Old boy“ des Südkoreaners Park Chan-wook. Als beste Darsteller wurden der junge Japaner Yuuya Yagira aus „Nobody knows“ von Hirokazu Kore- eda und die Chinesin Maggie Cheung aus dem Drogenfilm „Clean“ von Olivier Assayas geehrt.

Nach der Preisvergabe hatte als Gala-Vorstellung Irwin Winklers „De-lovely“ zum Leben des amerikanischen Songschreibers Cole Porter Weltpremiere. Kevin Kline spielt den Komponisten von „Night and Day“ und „In the Still of the Night“, wobei auch Rock- und Pop-Größen wie Alanis Morissette, Robbie Williams und Sheryl Crow darin auftreten.

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